Island - ein Fazit.



Am Freitagmorgen werde ich zurueck nach Deutschland fliegen, mein Praktikum ist nun so gut wie vorbei, meine Aufgabe erledigt, und meine Zeit in Island damit vorueber.


Ich freue mich sehr auf Zuhause, ich freue mich auf alle, die mich dort erwarten, auf deutsches Brot, Omas Rotkraut und Weihnachten.
Aber es gibt natuerlich auch einige Dinge, die ich hier vermissen werde, denn ich habe mich in den letzten Monaten sehr an Manches gewöhnt. Zum Beispiel dass es ganz normal ist, bei Rot ueber die Ampel zu gehen, denn das ist viel sicherer. Klingt komisch,ist aber so, denn islaendische Abbieger sind gegenueber Fussgaengern nicht sehr aufmerksam. Ich werde Skyr vermissen, das islaendische Quark-Joghurt-Gemisch, das Meer (aber nicht den unaufhörliche  Wind), den Sprachkurs und das alltaegliche,kostenlose Mittagessen. Allerdings wird mir das Schwefelstinkewasser nicht fehlen, ebenso wenig der Kuchenfreitag.  


Sehr traurig bin ich natuerlich darueber, diese wunderschönen Schuhe, die ich neulich gesehen habe, auf Grund ausgeschöpfter Kofferkapazitaeten nicht mitnehmen zu können. Islaendische Mode ist toll! Sehr individuell und extravagant, anders als man das in Deutschland sonst so kennt, wo einem auf der Strasse doch viele Schmuddelmenschen entgegenkommen.


Viele haben mich gefragt, ob ich zurueckkommen werde. Und ich denke, ja. Es gibt noch viele Orte, die ich nicht gesehen habe, und da man hier als Tourist wirklich voll auf seine Kosten kommt, was Sehenswertes und Abenteuer betrifft, bietet mir Island noch viel. Aber wie gesagt, eben nur als Tourist. Ein Leben könnte ich mir hier auf keinen Fall vorstellen - zu kalt, zu trist, zu klein, teils zu seltsame Kultur. Aber es war eine tolle Erfahrung gewesen, dies alles kennenzulernen und so nette Menschen hier zu treffen. Natuerlich gibt es einige Islaender (und viele davon sind mir auf Arbeit begegnet), die ziemlich kauzig, und, um es mal nett zu sagen, Auslaendern gegenueber nicht sonderlich aufgeschlossen sind. Und eines ist mir noch sehr aufgefallen (ohne das jetzt irgendwie als böse oder verletzende oder verurteilende Aeusserung zu meinen): es scheint hier ueberdurchschnittlich viele Menschen zu geben, die mehr oder weniger ein paar Schraeubchen locker haben. Ich persönlich könnte mir das ja mit der mangelnden Vielfalt im Genpool erklaeren. Es stimmt ja auch, hier hat jeder mit jedem anderen mindestens einen gemeinsamen Onkel. Aber wie dem auch sei, das ist eben nur das, was mir als objektiv arbeitende Reisejournalistin aufgefallen ist. Es gibt aber auch viele viele Islaender, die unglaublich freundliche Menschen sind. Elsa zum Beispiel, oder Stefania, meine Islaendischlehrerin, die uns am letzten "Schultag" mit einem Schokokuchen und islaendischen Leckereien ueberrascht hat (umpf, schon wieder Schokokuchen!). Islaendisch lernen hat sich fuer mich definitiv als Berreicherung dargestellt, auch wenn ich mein Halbwissen selten anwenden konnte, weil auf Englisch eben doch alles leichter ist. Aber es ist eine interessante, wenn auch seltsame Sprache, und ich glaube man fuehlt sich doch ein wenig elitaer, wenn man ein paar Brocken einer Sprache spricht, welcher nur ein winziger Bruchteil der Erdbevölkerung faehig ist. Und ja, unumwunden gebe ich zu, es wird ein kleines "Oha!" in meinem Lebenslauf sein. Darauf habe ich es ja auch eigentlich angelegt.

Fuer alle, die zukuenftige Islandreisende werden wollen, habe ich natuerlich noch einige Tipps und meine persönlichen Highlights parat:

  • im Sommer fliegen AirBerlin und Germanwings guenstig nach Island, ansonsten kann man auf die islaendischen Fluggesellschaften Icelandair (gut) und Icelandexpress (nicht so gut) ausweichen
  • fuer Kochen oder zum Tee zubereiten niemals warmes Wasser verwenden - man hat sonst den Schwefelgeruch im Essen bzw. im Tee
  • guenstig einkaufen gehen kann man im Bónus, das ist der Supermarkt mit dem freundlichen Schweinchen. Bonus hat aber nur von 11:00 Uhr bis 18:30 offen, dafuer aber auch am Samstag und Sonntag!
  • wer shoppen will, sollte unbedingt in Laeden gehen, die mit einem "Taxfree"-Schild markiert sind. So kann man viel Geld sparen
  • Wind/Regenjacke, Wanderhosen und Regenschirm verraten eindeutig, dass man Tourist ist - ein Islaender laeuft auch bei Regen und Kaelte im Islandpulli rum
  • unbedingt islaendischen Hot Dog  (Pýlsa) und Fisch probieren
  • auf Obst und Gemuese sollte aus Kostengruenden hingegen eher verzichtet werden
  • guenstig kann man ausserhalb der Sommersaison ein Auto bei SadCars mieten - in der Sommersaison verdoppeln sich die Preise
  • unbedingt in ein islaendisches Schwimmbad gehen - ich empfehle Laugardalslaug
  • wenn der Wind kraeftiger weht als sonst, kommt meistens ein Wetterumschwung
  • Hallo sagt man auf Islaendisch einfach "Hæ" (sprich Hei), oder "Goðan Dag" (Guten Tag, jedoch nur zu empfehlen wenn man auch die Aussprache kann!), verabschieden kann man sich ganz einfach mit "Bless" (Tschuess, wobei man das Bless so unbetont wie möglich sagt), und "Danke" sagt man mit "Takk"
  • Islandpferde - diese können auch von Anfaengern geritten werden
  • wenn man zwischen Ende September und Ende Maerz in Island weilt, kann man an klaren Tagen die Nordlichter sehen
  • auf www.en.vedur.is bekommt man Wetterinfos und Infos zu womöglichen Vulkanausbruechen
  • auf www.straeto.is kann man sich ueber die Busse informieren
  • auf www.flybus.is kann man direkt den Shuttleservice zum Flughafen Keflavík buchen
  • und: unbedingt die Kreditkarte mit grossen Kreditrahmen mitnehmen. Geldtauschen im vorab ist hingegen sinnlos

nun zu den Reisezielen, die ich nur empfehlen kann:

 

  • "Golden Circle" mit Strokkur dem Geysir, Gulfoss dem Wasserfall, und dem Þingvellir Nationalpark. Das ist das Pflichtprogramm fuer jeden Islandreisenden
  • Reykjavik: Harpa, Laugavegur, Törninn-See, Halgrímskírkja,Pérlan - das sollte man sich in der Hauptstadt nicht entgehen lassen
  • das Geothermiekraftwerk Hellisheiði , ca. dreissig Autominuten von Reykjavik entfernt und direkt ueber die Ringstrasse zu erreichen
  • eine Fahrt in den Sueden von Island, mit den wunderschönen Wasserfaellen und dem Staedtchen Vík
  • die Blaue Lagune
  • Krýsuvik
  • eine Besteigung der Esja, direkt gegenueber von Reykjavik
  • Landmannalaugar und das Hochland - unbedingt Jeep ausleihen
  • Halbinsel Snæfellsness und der Snæfellsjökull
  • Mosfellsbær
  • Akureyri, Dimmuborgir, the Lagoon, ....
  • ausserdem sollen die Westfjorde wunderschön sein, sowie der Vatnajökull, der grösste Gletscher Europas - davon kann ich leider nicht selbst berichten      

Nun verabschiede ich mich also offiziell von der exklusiven Berichterstattung aus Island. Es hat mir viel Spass gemacht, euch von meinen Erlebnissen hier zu berichten, und eure Gaestebucheintraege waren immer schön zu lesen. Ich hoffe, ihr habt jetzt vielleicht auch ein bisschen Lust bekommen, diese eigenartige und doch wunderschöne Insel mittem im Nordatlantik zu besuchen - glaubt mir, es wird sich lohnen.

Bless Bless og takk fyrir tima falleg á Islandí!
                                                       

1.11.11 14:08
 
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