Akureyri und der Norden



Gestern hat sich fuer mich die einmalige Möglichkeit ergeben, Hínrik, einen meiner beiden Betreuer, nach Akureyri zu begleiten. Akureyri ist mit 14.000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt Islands (die drittgrösste hat nicht mehr als 5.000 Einwohner) und liegt ganz im Norden der Insel, direkt an einem Fjord, der ins Eismeer fuehrt. Im Nordosten des Landes, genauer in der Region Þeistareyki soll ein neues Geothermiekraftwerk gebaut werden, dessen Planungsarbeiten Mannvit uebernimmt. Und da dort gerade die Explorationsbohrungen, wie heiss der Boden denn genau ist, laufen, stattet Hínrik þeistareyki aller zwei Wochen einen Besuch ab. Da es nach Akureyri doch ca. 6 Stunden Autofahrt sind, sind wir stattdessen mit Airiceland (Flúgfelag Islands) geflogen - nebenbei bemerkt, fuer Islaender ist das in etwa so, wie es fuer uns ist, mit der Bahn zu fahren. Total alltaeglich also. Nun, wenn man frueh genug bucht, dann kostet ein Flug auch nur ca. 50 Euro. Der Flughafen befindet sich auch mitten in Reykjavik, und einchecken darf man bis kurz vor Abflug, deswegen musste ich zwar zeitig, aber nicht allzu zeitig, aufstehen, damit wir um 07:10 starten konnten. In Akureyri haben wir dann einen Pickup von den Mannvitleuten dort oben bekommen. Im Norden sieht es ganz anders aus (vermutlich vor allem, weil Schnee lag). Akureyri selbst schmiegt sich an die Berghaenge des Fjords, und sieht wirklich sehr huebsch aus, wenn man drauf schaut. Dann fuhren wir auch schon los - denn Hínrik, so entpuppte sich, war hier aufgewachsen und wuerde deswegen den Touristenfuehrer fuer mich spielen.

Akureyri


Unser erstes Stopp, als wir uns Richtung Osten aufmachten, war Goðdafoss. Ein sehr schönes Fleckchen Erde. Uebrigens heisst Goðafoss uebersetzt "Götterwasserfall", denn nach Uebernahme des Christentums auf Island hat der letzte heidnische Gott Goðde die Götterbilder in den Fluss geworfen.


Goðafoss


 Nach den obligatorischen Touristenfotos fuhren wir weiter. Ein paar Haeuschen, einmal ein kleines Dorf. Eine ganz schön verlassene Gegend ist das dort oben. Beim beruehmten See Mývatn (Mueckensee), der zum Krafla-Vulkanssystem und einer der faszinierendsten Landschaften Islands gehört, fuhren wir zu Dimmuborgir. Dies ist ein Lavafeld, im Osten gelegen vom Mývatn. Aber es ist nicht irgendein Lavafeld, denn dort kann man bizarre Formationen bestaunen, die einem lebhaft glauben machen, dass man sich gerade mitten in "Der Herr der Ringe" befindet - oder so.


Dimmuborgir Lavafeld


Als wir weiterfuhren, hielt Hínrik an einer Strasse, die man erst mit Hilfe eines Gatters öffnen musste! Kurios, ich dachte bis jetzt immer, dass waeren geschlossene Zufahrten zu irgendwelchen Gehöften. Auf der nunfolgenden Gelaendestrasse gab er richtig Gas, und ic h blieb nur cool, weil ich der Meinung war, als Islaender muesse er ja wissen, was er da tat. Ein bisschen fuehlte ich mich wie bei der Ralley Dakar, nur dass ich nicht navigierte.
Dann hielten wir vor einer Höhle in den Lavaformationen - und das war nicht irgendeine Höhle, darin sammelte sich das geothermal erhitzte Grundwasser und bildete eine natuerliche Hot-Pot-Grotte. Circa 40° C Wassertemperatur, haette ich geschaetzt. Dort kann man uebrigens auch baden gehen!
Dann fuhren wir direkt zum Vulkan Krafla (wer sich erinnert: sein Ausbruch brachte eine verheerende Katastrophe ueber Island und Europa - irgendwann habe ich mal was dazu geschrieben gehabt). Am Krafla steht naemlich ein Geothermiekraftwerk - und: dort wurde das Iceland Deep Drilling Project durchgefuehrt. Eine Art Experiment, wie tief in Island man bohren konnte - das Ziel waren 4500 m, und da in Island die Erdkruste so duenn ist, hatte man erwartet, dann direkt in der unteren Erdkruste zu sein. Jedenfalls ist das ganze aber so abgelaufen, dass man nur bis 2100 m bohren - dann war kein Vorschub mehr möglich. Auch bei drei weiteren Anlauefen schaffte man nicht mehr als 2100 m. Der Grund war: man hatte direkt in fluessige Lava gebohrt. Zehn Minuten nachdem man gespuelt hatte und den Bohrstrang aus dem Loch gezogen hatte, "explodierte" das Bohrloch in einer Lavaeruption (Menschen kamen dabei nicht zu Schaden). Dies war der erste, durch Menschen verursachte Vulkanausbruch.


Bohrlochkopf einer IDDP-Bohrung


Ich bestaunte das dampfende Bohrloch, dann fuhren wir zu "The Lagoon" - sozusagen der Blauen Lagune fuer Islaender, fast direkt am Mývatn. Diese Lagune sieht beinah genauso aus, und man hat noch dazu einen grandiosen Blick auf die Vulkanberge. Und man bezahlt nicht soviel Eintritt.


"The Lagoon" at Mývatn


 Nun wurde es aber Zeit, sich zur Bohranlage nach þeistareyki aufzumachen. Dazu fuhren wir ueber vereiste Strassen nach Húsavik, eine kleine Stadt, die direkt am Eismeer liegt. Dort soll man uebrigens prima Wale beobachten können. Von dort aus fuehrte eine noch offroadigere Gelaendepiste zur Bohranlage - wirklich, so durchgeschuettelt wurde ich noch nie in meinem Leben. Dort angekommen bekamen wir erstmal Mittagessen - und das war auch gut so, denn ich bin beinah vor Hunger gestorben. Die Bohrarbeiter waren richtig nett, und als Hínrik dann in die Besprechung ging, bekam ich eine exklusive Fuehrung ueber die Anlage von einem Deutschen! Der hiess Bernd, hatte vor zwei Jahren ebenfalls seinen Abschluss in Freiberg gemacht (die Welt ist so klein), und arbeitete fuer 3 Monate bei Iceland Drilling, aber urspruenglich bei Hekla Energy in Celle - dort hatte ich ja auch ein Angebot fuer eine Bachelorarbeit. Die Anlage selbst war nicht gross, und mit den akribischen Sicherheitsstandards in Deutschland nicht vergleichbar. Aber alle waren sehr nett und ich durfte beim Arbeiten ueber die Schulter schauen.


Nach der Besprechung machten wir uns, im wahrsten Sinne, wieder vom Acker und fuhren zurueck nach Akureyri. Der Rueckflug verlief ganz angenehm, und ich konnte sogar einen Gletscher, Hofsjkökull, vom Fenster aus sehen. Achja, ausserdem konnte man bis an die Ostkueste Islands und bis zu den Faroe Inseln sehen! Das war ein sehr gelungener Abschluss meines Praktikums hier - mein bester "Arbeitstag" bis jetzt
Jetzt ist es nur noch eine Woche und ein Tag - ich freue mich schon auf zu Hause!

27.10.11 11:39
 
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