Das letzte bisschen Island




Jetzt dauert es im Prinzip gar nicht mehr lange, bis meine Zeit in Island vorbei ist. Naemlich nur noch etwas mehr als drei Wochen. Aber so richtig kann ich es gar nicht mehr abwarten, denn langsam aber sicher mehren sich deutliche Zeichen, dass Katla bald ausbrechen wird. Ihr erinnert euch bestimmt – der grosse Vulkan mit den verheerenden Folgen. Jeden Tag kann es soweit sein. Caro, eine Freundin hier, die hier Geographie studiert, berichtet darueber, dass ihr ganzes Institut vollkommen aus dem Haeuschen sei. Grund dafuer sind zahlreiche niederfrequente Schwarmbeben im Mýrdalsjökullgletscher, in welchem sich Katla befindet (Daniel und ich waren dort gewesen!). Die deuten laut den Wissenschaftlern an, dass die Magmakammer sich gefuellt hat und Katla bereit ist, auszubrechen. Die Staerke und Haeufigkeit der Beben kann man uebrigens auf http://en.vedur.is beobachten (man muss Mýrdalsjökull auswaehlen). Ich mache mir ehrlich gesagt schon Sorgen, was passieren wird, wenn Katla wirklich loslegt. Zum einen könnte ich meinen Rueckflug mit Sicherheit vergessen. Da niemand die Staerke der Eruption vorhersagen kann, es aber doch ganz schön heftig werden soll, werden auch die Auswirkungen auf die Menschen hier und deren Leben nicht gerade gering sein. Wahrscheinlich wuerde ich mir im Fall aller Faelle ganz schnell eine Faehre nach Daenemark buchen. Die ist zwar drei Tage unterwegs, aber drei Tage Seekrankheit sind mir immer noch lieber als von giftiger Asche eingedeckt zu werden. Nun, aber noch ist es ja nicht soweit, und druecken wir alle die Daumen, das Katla sich noch ein bisschen Zeit laesst.


Letzten Freitag hat meine Abteilung einen Ausflug nach Hellisheiði gemacht – es gab sogar Bier. Und diesmal konnte ich sogar die Turbinenhalle, den Generator, die Kuehltuerme und sogar den Transformator anschauen. Wirklich sehr interessant. Und eine willkommene Abwechslung, denn der Alltagstrott hatte mich innerhalb weniger Stunden wieder komplett gefangen.  Hier ist es inzwischen sehr kalt geworden. Auf den Bergen liegt schon Schnee, und morgens befinden sich die Temperaturen um den Gefrierpunkt. Auch am Tag erreichen sie seltenst mehr als 4°C. Daher habe ich meine Wintermuetze ausgepackt, trage jeden Tag Handschuhe  und Schlafsocken im Bett, trinke jeden Tag eine Tasse Tee und ein Glas Wein, und verputze die Lebkuchen aus Deutschland. Zumindest werden mich die Temperaturen in Freiberg dann keinesfalls mehr schocken können, wenn ich wiederkomme.

meine "Kollegen"


Am Sonntag dann habe ich einen Wanderausflug mit Caro gemacht.  Wir wollten urspruenglich nach Mosfellsbær, denn dort sollte es eine schöne Landschaft gleich in naechster Naehe zu Reykjavik geben. Hauptsaechlich aber wollten wir beide einfach nur raus aus der Stadt und mal was anderes sehen.  Leider informierte uns das Online-Busfahrplansystem nicht darueber, dass der Bus nach Mosfellsbær nicht wie angekuendigt direkt dahin fuhr von Reykjavik aus, sondern dass man einen Rufbus bestellen musste. Da muss ich mich mal wirklich kurz aufregen: das islaendische Bussystem am Wochenende ist unglaublich schlecht! Generell fahren die Busse erst ab Mittag, und der Bus, den wir wollten, fuhr nur einmal am Tag hin und einmal am Tag zurueck. Da hat man in Buxtehude ja eine bessere Anbindung! Deswegen also landeten wir in einem Ort namens Reykjadalur, und nach mehrmaligen Nachfragen beim Busfahrer versicherte uns dieser auch, dass auf jeden Fall ein Bus wieder zurueck fahren wuerde. Vielleicht hatte er unseren leicht verzweifelten Gesichtsausdruck auch falsch interpretiert, denn er lud uns ganz schuechtern ein, ihm im Busfahrerhauschen doch Gesellschaft zu leisten, bis er zurueck nach Reykjavik fuhr. Dankend suchten wir ganz schnell das Weite.

Immerhin war Reykjadalur so klein, dass man nur zwei Minuten brauchte, bis man aus dem Dörfchen raus war. Dann liefen wir durch eine Sumpflandschaft und befanden uns wiedermal bald in absoluter Einsamkeit. Jedenfalls so lang, bis wir auf den naechsten Lavahuegel kletterten und auf einmal riesige Satellitenschuesseln alá SETI direkt vor unserer Nase entdeckten. Vielleicht war doch etwas an den vielen UFO-Sichtungen ueber Island dran.

 

SETI?

Jedenfalls ist es wirklich anstrengend, abseits von Wegen durch die Suempfe zu stampfen, weil die Grashuegel riesig sind, und die Fuesse unerwartet tief in feuchte Niederungen sinken können. Ganz abenteuerlich war die Flussdurchquerung. Da wir ja unbedingt trockene Fuesse behalten wollten, bauten wir uns mit grossen Steinen eine provisorische Bruecke , auf der wir dann ueber den Fluss balancierten. Ich war sehr stolz auf mich, nicht nass geworden zu sein, denn damit hatte ich dank jahrelangen Erfahrungen doch irgendwie gerechnet. Es hat gut getan, aus Reykjavik rausgekommen zu sein, saubere Luft zu atmen, auf die schneebedeckten Berge und die triste Mooslandschaft zu schauen. Ein richtig schöner Herbstausflug.

Caro und ich in Reykjadalur


Am Mittwoch ist das Airwaves Iceland gestartet. Das ist ein riesiges Musikfestival, zu dem nicht nur lokale Bands (und Björk!) spielen, sondern auch viele aus den USA und UK. Das ist ein richtiges Grossereignis und zahlreiche Touristen strömen wieder in die Stadt. Leider ist das Wetter nicht so gut, und eine Karte kostet ausserdem etwas mehr als 100 €, aber ich werde versuchen, mich irgendwo mit reinzuschmuggeln.  Der Sprachkurs laeuft inzwischen ganz gut, die Aussprache bekomme ich langsam richtig gut hin,aber die Grammatik und die Vokabeln sind doch sehr absonderlich. Aber ein paar grundsaetzliche Dinge kann ich schon sagen, und auch wenn vermutlich kein Islaender das verstehen kann, freut es mich, theoretisch dazu in der Lage zu sein. Ausserdem macht es Spass, denn mit den anderen Deutschen kann man ueber lustige islaendische Wörter lachen (Regal heisst zum Beispiel „Hilla“, aber das wird „Hidla“ ausgesprochen – und klingt somit wie Hitler. Unsere Lehrerin war sehr verwirrt ueber unsere entsetzten Gesichtsausdruecke).  
Meine verbleibenden Wochenenden habe ich auch schon geplant. Auf dem Programm steht noch: Reiten gehen mit Caro,Hengill (ein Gebiet, in dem man wandern  und dabei in einem geothermal beheiztem Fluss baden kann), auf den Mount Esja klettern (den Hausberg Reykjaviks)  und natuerlich noch ein bisschen die Hot Pots geniessen. Mal sehen, ob ich das alles noch schaffe. Denn der Wettergott muss ja mitspielen

12.10.11 21:25
 
Gratis bloggen bei
myblog.de