Sehen Sie hier nun: die Fortsetzung!! - einen Trip durch Erdkotze und Schnee



Ich hoffe, ihr habt alle ganz gespannt gewartet, und seid jetzt ungemein erleichtert, endlich die Fortsetzung meiner Urlaubswoche mit Daniel zu lesen. Das könnt ihr auch, denn es waren noch zwei tolle und spannende weitere Tage, die wir erlebt haben.
Aber nun genug um den heißen Brei herumgeredet.

Am Montag also, nachdem wir recht spät aus der Blauen Lagune wieder heimgekehrt waren, mussten wir schon wieder zeitig aufstehen, um in Keflavik unseren Geländewagen abzuholen. Es dauerte ein bisschen, bis wir loskamen, und es dauerte noch länger, SADCARS zu finden, die dort sehr versteckt in der ehemaligen amerikanischen Kolonie ihre Lager/Werkstatt/Bürohalle hatten. Es dauerte auch wiederum ein bisschen, bis wir dort überhaupt jemanden aufgetrieben hatten, der kompetent erschien. Trotz des etwas befremdlichen Erscheinungsbildes dieses jungen Herrs (wir waren uns sicher, dass er in seiner Freizeit Killercomputerspiele zockte), nahm er problemlos unseren kleinen Hyundai entgegen und übergab uns dann den neuen fahrbaren Untersatz: einen Geländewagen der Marke ISUZU.

der Isuzu ...

Auch wenn er etwas betagt aussah, und der alte Dieselmotor ein bisschen gequält röhrte, strahlte Daniel wie ein Kind unterm Weihnachtsbaum Ich wunderte mich etwas, weil mein Sitz so nass war, dachte aber nicht weiter drüber nach. Vielleicht war er gerade gründlich gereinigt worden oder so. Nachdem wir etwas Diesel in den Bauch unseres Allrad-Ungetüms gefüllt hatten, war es schon ein tolles Gefühl, zum einen so erhaben hoch zu sitzen, wie in einer Kutsche, und zum anderen einfach so mir nichts dir nicht über die Bremshügel zu brettern. Daniel übernahm das Steuer, ich die Navigation. Unser heutiges Ziel war recht weit entfernt, und laut Straßenbeschilderung auch nicht leicht zu erreichen: die Thermalquellen in Landmannalaugar, im Hochland von
Island. Wir machten uns also auf den Weg, und da wir nun ALLE Straßen befahren konnten, war ich frohen Mutes und schlug eine Abkürzung zur Ringstrasse vor. Nur leider wählte ich die falsche Abzweigung (das war aber auch wirklich blöd ausgeschildert), weswegen aus der Abkürzung dann ein recht großer Umweg wurde. Aber alles hat sein Gutes, und deswegen fanden wir dadurch eine sehr faszinierende Schwefellandschaft bei Krysuvík, die ähnlich aussah wie das Geysirfeld. Nur das davon null komma nix in unseren Reiseführern stand! Also, wiedermal ein echter Geheimtipp:
Krysuvík, liegt auf dem Weg zwischen der Ringstraße und Grindavík.

 Schwefellandschaft in Krysuvík

Es hat dort zwar ein bisschen nach Schwefel gemüffelt und überall wurde vor möglichen Dampfexplosionen gewarnt, aber dennoch wirklich sehr faszinierend zu sehen. Genau wie die Umgebungslandschaft, riesige Felder aus Lava,
die wir nun passenderweise in Erdkotze umbenannt haben, da die hier wirklich überall rumliegen. Dort wollte Daniel auch gleich die Geländetauglichkeit unseres Jeeps testen und war sehr froh, auf den 4x4-Knopf drücken zu dürfen. Mich hatte schon der zweite Schalthebel gründlich verwirrt.
Außerdem fanden wir heraus, dass gleich in der Nähe von Reykjavik ein Skigebiet liegt: Blafjöll (der Blaue Berg). Gab aber (zu diesem Zeitpunkt) noch keinen Schnee, also müssen wir wohl auf die Alpen ausweichen. Als wir es dann endlich geschafft hatten und auf der Ringstraße waren, mussten wir ein wirklich gutes Stück in Richtung Süden fahren, bevor wir vor Hella (sprich: Hedla) auf die Straße 26 einbiegen konnten. Eine orange Straße - ihr erinnert euch: auch für kleine PKW. Doch zunächst war alles ganz harmlos und asphaltiert. Wir fuhren an schneebedeckten Berggipfeln, endlosen
Graslandschaften, vielen vielen Schafen und Pferden, noch mehr Erdkotzfeldern, aber umso weniger Häusern vorbei. Und dann wurde die Straße plötzlich unbefestigt, und wir waren wirklich dankbar für unseren Isuzu. Nocheinmal viele Kilometer weiter auf dem unbefestigten Abschnitt brachten uns in komplette Mondlandschaft.

 eine Straße ins Nirgendwo

Ganz viel kalte schwarze Lava, noch mehr Asche und Berge, sonst nichts. Und dort stand ein Straßenschild, dass die F225 nach Landmannalaugar mit 53 km ausschilderte. 53 km gelbe Piste. Nur - es war wie eine Fahrt durch pures Gelände. Wir huckelten an Hekla vorbei, einem Vulkan, der recht regelmäßig ausbricht und 1450 m hoch ist. Teilweise kam man gut voran, aber teilweise mussten wir auch Schrittgeschwindigkeit fahren aufgrund der tausenden von riesigen Schlaglöchern. Dabei fanden wir auch heraus, warum mein Sitz ursprünglich nass war: die Tür war verzogen,
und als wir volles Rohr durch eine Pfütze rauschten, wunderte ich mich aufeinmal, warum braunes Matschwasser auf mich niedertropfte. Daniel fands immerhin lustig Und am Anfang war er auch noch sehr motiviert, die Offroadpiste zu fahren. Vor allem nach der ersten Flussdurchquerung hatte er dann stets
ein leichtes Lächeln im Gesicht ... aber je weiter wir uns durch die Schlaglöcher quälten und je weniger das Ende der 53 km näher rückte, umso mehr schwand auch das Lächeln. Ich fand es sowieso sehr anstrengend, ständig in meinem Sitz herumgestossen zu werden. Aber wirklich: trotz dessen, es hat sich gelohnt -
die Hochlandlandschaft ist so wunderschön, dass man das einfach sehen muss! Teilweise wie ein Drehort aus Apollo 11, schwarz und total unwirklich, aber auch teilweise in einem tiefsatten Grün. Wunderschöne Berge, teilweise schon schneebedeckt, und durch den Vulkanismus mit lustigem Aussehen.
Bei Landmannalaugar muss man wirklich sagen - der Weg ist das Ziel. Denn nach zwei oder drei weiteren Flussdurchquerungen hatten wir es dann endlich geschafft. Das Camp bzw. der Zeltplatz bei Landmannalaugar. Dort gibt es heiße Thermalquellen, in denen es sich angeblich wunderbar sitzen lässt (da waren nur vermeintlich
nackte Männer drin, also hielten wir viel Abstand) und eine Wanderung in den Ryolithbergen, die in der Sonne in den unterschiedlichsten Rottönen schimmerten (ja, wir hatten Sonne!).

 in Landmannalaugar

Aber vor allem die absolute Abgeschiedenheit war für mich zumindest das Faszinierendste. Es war das absolute Nirgendwo, der Arsch der Welt, wenn man es so sagen will, und genau dort befanden wir uns. Wahrscheinlich war ich noch nie an einem leereren Ort gewesen.

 Flussdurchquerung

Also, wenn ihr in Island seid, nehmt einen Jeep, keinen Hyundai, und nehmt den "Long Way Landmannalaugar" auf euch! Die Rückfahrt war dann gefühlt doppelt so lang wie die Hinfahrt, aber durch die Sonne konnten wir ein paar wirklich schöne Bildchen machen. Und als wir endlich die Straße F225 verlassen wollten, war da auf einmal eine Wegsperre, die noch nicht gewesen war, als wir reinfuhren. "Impassable" - heißt offenbar, nicht passierbar. Nun, warum auch immer, wir hatten es ja geschafft.
Und der Isuzu umfuhr ganz leicht und wendig dieses Warnschild.


Als wir dann endlich spät zu Hause waren, kochte Daniel noch seine berühmte Bolognese (die wirklich sehr lecker war - dickes Lob) und dann machten wir uns auf, um noch etwas Nachtleben in Reykjavik mitzubekommen. Wir landeten in einer Guinesskneipe, und ich muss sagen, ich hielt mich sehr gut beim Guinesstrinken.
Und in diesem Fall bin ich wahrscheinlich auch sehr pflegeleicht, denn ich war nach nur einem Bierchen (für immerhin 5&euro schon mehr oder weniger gut dabei. Jaja, ich bin eben nichts mehr gewöhnt.


Dienstag war unser letzter gemeinsamer Tag, und dafür hatten wir uns eine besondere Tour aufgespart: eine Fahrt in den Westen von Island, auf die Halbinsel Snaefellsness. Dort gibt es den Snaefellsjökullgletscher, in dessen Mitte der Wunderberg Snaefellsjökull steht, der in "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" von Jules Verne der Eingang war. Mit unserem Jeep hätten wir bestimmt auch zum Mittelpunkt der Erde reisen können, also wollten wir es wenigstens mal versuchen.

 Landschaften auf Snaefellsness

Da die Fahrt an den Fjorden entlang ging (und einmal für 1000 kr unter den Fjorden im von ADAC als mangelhaft bewerteten Hvalfjördur-Tunnel) dauerte es wiederum recht lang, bis
wir unser Ziel erreichten. Aber auch hier galt wieder das Motto: der Weg ist das Ziel. Denn auf dieser Reise sah ich das Island, so wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Tundralandschaften, Berge mit schneebedeckten Gipfeln und eine rauhe Küste, ab und an mal ein paar Pferdchen auf den Wiesen. Es war wirklich eine wunderschöne Landschaft. Auf Snaefellsness gibt es außerdem sehr schöne Sandstrände (wir erwischten leider einen Schotterstrand bei einem Halt). Dann endlich kamen wir am Snaefellsjökull an, und eine weiße Straße sollte uns die restlichen sieben Kilometer zum Berg führen. Aber: es begann zu schneien. Es ging steil bergauf.

 Bergpiste zum Wunderberg Snaefellsjökull

Die Straße war wirklich schlecht. Es war wirklich eine abenteuerliche Fahrt, zumal der Schnee auf der Straße schon gefroren war, sodass es extrem glatt wurde. Bei einem steilen Stück schaffte unser Isuzu es nicht mehr, und aus mehr oder weniger berechtigter Todesangst meinerseits traten wir dann den Rückweg an.
Allerdings feierten wir den ersten Schnee des Jahres mit einer Schneeballschlacht und unserem schicken kleinen Schneemann mit Moosfrisur.

 das Schneemannmeisterwerk

Wirklich, Snaefellsness ist sehr zu empfehlen, auf Grund dieser unglaublich schroffen, aber auch schönen Landschaft.
Zurück im Hotel brachen wir dann auf zu einem Abschiedsessen, brauchten Ewigkeiten um ein Restaurant zu finden und landeten wieder bei unserem Italiener vom Anfang
Und schon sehr zeitig am nächsten Morgen mussten wir aufbrechen, unser trauriges Auto in Keflavik abgeben und dann zum Flughafen fahren. Diese Woche war wirklich eine richtig tolle Woche gewesen, die uns viele Facetten von Island gezeigt hat. Und obwohl diese Insel so faszinierend ist, bin ich doch irgendwie auch wieder sehr froh,
in 4 Wochen ebenfalls meinen Rückflug antreten zu können.

9.10.11 19:40
 
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