Urlaub mit Daniel



Die letzte Woche war mit Abstand meine schönste Woche in Island – hauptsaechlich natuerlich weil Daniel da war, aber auch, weil wir so viele tolle Dinge hier gesehen haben. Letzten Mittwoch habe ich ihn vom Keflavik Airport abgeholt. Von Reykjavik aus gesehen ist das eine Fahrt von 40 Minuten, die man NUR mit dem FlyBus, dem Shuttleservice von Reykjavik Excursions oder Iceland Excursions, zuruecklegen kann, wenn man kein Auto hat. Dafuer fahren diese Busse auch sehr regelmaessig und es ist alles deutlich ausgeschildert und strukturiert – kriegt also jeder hin
Das Wetter an diesem Tag zeigte sich von seiner (bis dahin) schlechtesten Seite, es war kalt, und es regnete die ganze Zeit. Aber wir waren guter Dinge, dass sich das aendern wuerde. Am Abend testeten wir dann die Restaurantlandschaft in Reykjavik, die allerdings mit weniger studentenfreundlichen Preisen lockt. Aber einmal kann man das schonmal machen (ja,ich weiss, das sage ich immer) und deswegen futterten wir uns den Bauch beim Italiener in der Laugavegur voll – dort lief ich wenigstens keine Gefahr, mir mal wieder etwas Ungeniessbares zu bestellen, wozu ich irgendwie ein Talent hatte.


Am Donnerstag dann hatte sich das Wetter immer noch nicht gebessert, im Gegenteil. Zum kalten Regen kam noch eine frische Brise dazu. Deswegen dauerte es etwas, bis wir uns nach draussen trauten, um die Highlights in Reykjavik anzuschauen. Das Programm war in aller Knappheit: die Konzerthalle Harpa, die Strandpromenade, der Hafen (wo wir vermeintlich ein paar Kriegsschiffe in dem angeblich friedliebenden Island entdeckten), die Universitaet von Island, in deren Cafeteria wir uns erstmal wieder aufwaermen mussten, der Törnin-See, durch Zufall auch die deutsche Botschaft und zu guter Letzt das Wahrzeichen von Reykjavik, die Hallgrímskirkja. Dann war  aber auch genug des Sightseeing und wir fluechteten wieder ins Hotel, nicht ohne vorher aber noch ein richtiges Toastbrot zu kaufen. Jeder,der sich in Island Brot kaufen will und aus Gesundheitsgruenden Körnertoastbrot dem weissen Toastbrot vorzieht, dem sei gesagt: lasst die Finger davon. Denn aus unerfindlichen Gruenden mengen die Islaender dort Kuemmel rein, der, morgens  mit Schokocreme gegessen, leicht zu Brechreiz fuehren kann.


Freitag war ein grosser Tag: wir hatten uns fuer den Rest der Woche ein Auto gemietet. Nicht irgendein Auto von irgendeinem Autoverleih, nein, einen steinalten Hyundai Gaetz von der billigsten Autovermietung in ganz Island, dessen Motorhaube eine wunderschöne Beule zierte. Dennoch, wenn man nicht allzu viel erwartet und nur einen fahrbaren Untersatz braucht, dann bietet sich SADCARS wirklich an. Fuer 33 Euro am Tag kann man sich naemlich einen (zwar betagten, aber funktionstuechtigen) Toyota Yaris oder ein aehnliches Modell mieten. Aber weil Daniel sich das so sehr gewuenscht hat, entschieden wir uns noch dafuer, fuer die letzten beiden Tage einen richtigen Gelaendewagen mit 4x4 anzumieten -  aber dazu dann im zweiten Teil des Reiseberichtes.

unser kleiner peinlicher Hyundai Flitzer mit Beule


Nebenbei bemerkt: es war nicht so, dass sich das Wetter in irgendeiner Weise gebessert haette. Es ist ungefaehr hundertmal schlimmer geworden. Waehrend wir aus Reykjavik raus Richtung Thingvellir Nationalpark fuhren, klatschte uns der Regen gegen die Windschutzscheibe wie kleine Gewehrkugeln und der Wind versuchte mehrfach, das huebsche kleine tannengruene Auto von der Strasse zu druecken. Die Sicht wurde so schlecht, dass man in Thingvellir nicht mal mehr einen Teil des eigentlichen Augenmerks sehen konnte, naemlich den Plattendrift. Wir waren trotzdem mutig und wagten uns aus dem Auto. Beinahe augenblicklich waren wir nass bis auf die Knochen und auf der Aussichtsplattform musste ich mich an Daniel festhalten, um nicht bis nach Kanada geweht zu werden.

das war nur was für Mutige

Nach den Pflichtbildern retteten wir uns wieder ins Auto , um weiter zu Strokkur, dem Geysir zu fahren. Clever, wie wir waren, wollten wir die Geysir-Eruption aus dem Auto beobachten, um nicht wieder ein Opfer des islaendischen Wetters zu werden. Allerdings schauten wir ca. 10 Minuten in die falsche Richtung, da ich die Löcher im Boden verwechselt hatte. Als der Fehler bemerkt war, war Strokkur  natuerlich laengst ausgebrochen, und wir trauten uns dann doch aus dem Auto, um ihm persönlich einen Besuch abzustatten. Die Tour fuehrte dann weiter zu Gulfoss, dem Wasserfall, aber nach einer weiteren Wetterverschlechterung und unschluessigem Warten im Auto, ob man denn rausgehen sollte, hechteten wir schnell in einer Regenpause zum Wasserfall, Daniel machte ein paar Fotos, und dann aber schnell zurueck ins Warme, denn der naechste Schauer setzte schon wieder ein. Auf dem Rueckweg verfuhren wir uns ein bisschen, weil die Strassenkarte und ich noch nicht sehr vertraut miteinander waren, und wir kamen dann in Hellisheidi, dem Geothermalkraftwerk raus. Obwohl das Besucherzentrum dort schon geschlossen hatte, durften wir rein (der Mann freute sich wie ein Schnitzel ueber unser Interesse) und uns ein wenig umsehen. Allerdings eben nur ein wenig, da gerade das islaendische Symphonieorkester eine super private Fuehrung machte. Aber auch bei Regen und Wind ist Hellisheidi ein echter Tipp, denn obwohl dann der Schwefeldampf einem viel staerker ins Gesicht schlaegt, ist es doch wirklich faszinierend mit eigenen Augen zu sehen, was fuer eine Kraft und Energie in der Erde steckt.


Der unerbittliche Sturm der letzten Tage hatte sich am Samstag Gott sei Dank verzogen, auch wenn die Sonne sich immer noch eher im Hintergrund hielt, war es wieder angenehmeres Wetter fuer Ausfluege geworden. Daher sind wir in den Sueden von Island, zum Eyjafjallajökull aufgebrochen. Ganz recht, das ist der Vulkan, der 2010 fuer das komplette Flugverbot ueber mehrere Wochen gesorgt hat. Ist also sehr beliebt, der Kleine J. Ausserdem muss man wissen, dass die Strassen in Island in verschiedene Farben, welche die Befahrungseigenschaften beschreiben, eingeteilt ist. Da gibt es zum einen natuerlich die Ringstrasse, die „Autobahn“ von Island (auf der man trotzdem nur 90 fahren darf – nicht schön), die einmal rund um die Insel fuehrt. Diese ist natuerlich gut ausgebaut. Dann gibt es ein paar rote und orange Strassen, die auch fuer kleine PKW als gut befahrbar gelten, auch wenn sie teilweise nur aus stark verdichtetem Schotter bestehen. Gelbe Pisten sind in der Regel nichts fuer kleine PKW, denn dort wird es schlaglochreich, schotterig und ein Strassenbelag fehlt. Und die weissen Pisten, die „Bergstrassen“ duerfen nur von gelaendetauglichen Fahrzeugen befahren werden. Allerdings trifft diese Einteilung manchmal nicht ganz ins Schwarze, wie wir auf dem Rest der Reise gesehen haben.

Jedenfalls fuhren wir zum Eyjafjallajökullgletscher und sahen dort einen wunderschönen Wasserfall: Seljalandsfoss, der sehr gut von der Ringstrasse zu erreichen ist. Bei diesem Wasserfall kann man sogar dahinter laufen. Wir wurden dabei zwar ordentlich nass, aber es war trotzdem sehr sehenswert.

Seljalandsfoss

Nach ausfuehrlichem Kartenstudium entschieden wir uns dafuer, die gelbe Piste direkt ins Gletschergebiet zu probieren. Da der Weg aber sehr schnell sehr steil und sehr sehr steinig wurde, gaben wir auf, obwohl der Hyundai sich tapfer hielt. Aber Daniel ist ja kein Autoquaeler. Also versuchten wir, von Sueden her in das Gebiet reinzufahren, aber mangels Abzweigungen und mangels Hinweisschildern landeten wir dann im direkt benachbarten Mýrdalsjökullgletscher und dem Wasserfall Skógafoss, der ebenfalls wirklich die Reise wert ist. Ganz die Hoffnung auf Eyjafjallajökull haben wir doch nicht aufgegeben und wanderten im Gletschergebiet bzw. Nationalpark herum. Ich bin felsenfest der Meinung, irgendwo am Horizont doch den Vulkan gesehen zu haben. Aber selbst wenn nicht, war die Berglandschaft dort so faszinierend und unwirklich, dass man sich wie in einem Fanatasyroman gefuehlt hat. Es haette uns vermutlich nicht gewundert, wenn aus dem naechsten Stein ein Troll hervorgesprungen waere.

 




Da nach der anstrengenden Wanderung noch ein bisschen Zeit blieb, fuhren wir mit dem Auto nach Vík, dem suedlichsten Kuestenort Islands. Angeblich ist Vík das Dienstleistungszentrum der Region, aber wenn man mal bedenkt, dass es ungefaehr ein Drittel der Groesse von Oederan hat, spricht diese Tatsache dafuer, wie abgeschieden Island ist. In Vík gibt es den Reynisfjara-Strand, der als einer der schönsten Lavastraende Europas und der Welt gilt. Auch wenn der Wind uns den Sand pausenlos ins Gesicht geschossen hat, muss man sagen, dass dieser Platz wirklich richtig schön ist. Der schwarze Strand, die Klippen im Meer, die hohen Wellen und die vereinzelten kleinen bunten Haeuschen von Vík – ja, da freut man sich, die Reise gemacht zu haben.

... dem kann man durchaus zustimmen


Nach den anstrengenden Tagen hatten wir uns fuer Sonntag ein bisschen Entspannung verdient. Das Wetter war mal wieder kalt und nieselig, was diesmal aber sehr passend war: denn es ging in die Blaue Lagune. Diese ist das beruehmteste Spa Islands und liegt in der Naehe von Keflavik, bei Grindavik. Mitten in einem Lavafeld steht ein Geothermalkraftwerk, welches die Blaue Lagune speist und zur örtlichen Energieerzeugung dient. Schon allein sich die Blaue Lagune von aussen anzusehen, mit dem hellblauen Wasser in dem schwarzen Lavabecken und den modernen Gebaeuden kommt einem Wellnessurlaub ziemlich nahe. Aber dann in dem ca. 40° C heissem Wasser herumzuplantschen, dem Mineralsalze,Kieselerde und Algen zugesetzt sind (eine Wohltat fuer die Schönheit), wahlweise sich eine Maske mit Silikatschlamm ins Gesicht zu schmieren, in die Sauna zu gehen oder in eines der beiden Dampfbaeder, das war schon ein richtig tolles Erlebnis. Und als es dann langsam dunkel wurde, und die Lagune angestrahlt wurde, da waren wir uns sicher, dass die 30 Euro Eintritt gut investiertes Geld waren.  

ein toller Tag in der Blauen Lagune

Der aufmerksame Leser wird jetzt merken, dass noch einige Tage unseres Urlaubs fehlen ... aber da diese die abenteuerreichsten waren, widme ich denen einen eigenen Blog, in aller Baelde. Und jetzt kann ich endlich mal das sagen, was ich schon immer sagen wollte:
Fortsetzung folgt ...
 


6.10.11 18:39
 
Gratis bloggen bei
myblog.de