Eine Ode an den Konsum



Gestern war Freitag, und das bedeutet: Kuchentag! Oder Kuchnacht, wie ich es nenne (sorry, kleiner Insider). Das bedeutet, 3 Mitarbeiter der Abteilung werfen ihren gesamten Zuckervorrat in eine Ruehrschuessel und mixen das Ergebnis mit viel Schokolade. Ich habe ja schon haeufiger darueber erzaehlt, aber der Kuchen gestern hat einfach mal den Vogel abgeschossen. Das war einfach eine mindestens sieben Zentimeter fette Zucker/Schokoglasurschicht auf einem duennen Kuchenteig, natuerlich ebenfalls Schoko. Ein Bissen davon, und ich bin fast am Zuckerschock gestorben! Aber die Islaender huellen dieses Kalorienkunstwerk ,das eine zehnköpfige afrikanische Familie mindestens drei Wochen vor dem Hungertod bewahren könnte, natuerlich noch dick ein mit Schlagsahne oder wahlweise Erdbeerzuckersosse. An die Essgewohnheiten hier werde ich mich auf keinen Fall gewöhnen können. Wenn das Lieblingsessen der Kinder Milchreis mit Zucker und Zimt (normal) mit, Achtung, Blutwurst und Leber ist, dann ist das einfach zu absonderlich. Wenn der Stockfisch, der mit seinem Salzgehalt etwa equivalent zum Zuckergehalt im Schokokuchen ist (abartig), haeufig auf den Teller kommt, und dazu noch ne dicke Scheibe geraeuchertes Lamm (widerlich) mit rohem Rotkraut, dann sind das einfach keine kulinarischen Genuesse. Aber da ja endlich das lang ersehnte Paket von zu Hause eingetroffen ist, kann ich jetzt endlich wieder gute deutsche Fertignahrung geniessen.


Fast die Haelfte meines Aufenthalts hier ist schon wieder rum. Wahnsinn, wie unbemerkt die Zeit doch vorankriecht. Ich kann als erstes Resumee zu Island sagen, dass es ein tolles Land zum Reisen ist. Wer auf Natur pur, Abenteuer und abwechslungsreichen Urlaub steht, der ist hier goldrichtig. Wer mal etwas anderes als den Hotel-Sonne-Meer-Eiscreme-Buffet-Urlaub erleben möchte, der sollte unbedingt nach Island kommen. Es lohnt sich wirklich, denn man kann jeden Tag neue, faszinierende Dinge erleben, die man nirgendwo auf der Welt so zu Gesicht bekommen wuerde.
Zum Leben allerdings waere Island fuer mich nichts. Es gibt viele Menschen, die sich hier sehr wohl fuehlen, aber man muss immer bedenken, dass man in einem Land ist, dass nicht mehr als rund 300.000 Einwohner hat, die alle verschwörerisch zusammenhalten. Man wird immer hier ein Fremder sein, und wahrscheinlich nie ganz in den internen islaendischen Zirkel aufgenommen werden. Weil das Land so klein ist, gibt es nicht die deutschen Annehmlichkeiten, wie Mobilitaet fuer alle und ueberall (danke, Deutsche Bahn!).
Ausserdem ist das Land wirklich sehr klein, und sehr abgelegen so einsam und verloren im Nordatlantik. Einfach mal schnell in ein anderes Land, das geht so nicht. Dafuer braucht  man schon das Flugzeug.
Aber das ist es alles nicht, was mir fehlen wuerde. Island macht seinem Namen Ehre, es ist eisig, aber nicht vom Wetter her. Man spuert hier einfach nicht das, was man in anderen Laendern hat. Ich kann es nicht genau sagen, vielleicht Waerme, Herzlichkeit, Leben ... oder so. Irgendwas fehlt hier. Wer allerdings auf so was gerne verzichten kann, ein Naturbursche oder eine Naturbuerschin ist, gerne etwas abgeschieden lebt, der ist hier richtig!

Dem soll aber auch gesagt sein, dass diese Sprache verdammt schwer ist. Ich hatte bis jetzt vier Unterrichtsstunden, und krieg die Aussprache immer noch nicht auf die Reihe. Islaendisch ist einfach so ganz anders, als alle anderen Sprachen, die ich bis jetzt gelernt habe. Da ist mir mein kleiner Russischexkurs letztes Jahr sogar leichter gefallen.  Interessant, und irgendwie bezeichnend fuer Island, finde ich auch, dass es ungefaehr 40 Wörter fuer den Schweif des Pferdes gibt. Aber Wörter wie Romantik oder so, mussten von anderen Sprachen uebernommen werden.
Naja, jedenfalls macht es trotzdem Spass, denn meine Gruppe ist sehr nett. Und da sie mitunter aus 5 Deutschen besteht, die hier gerade ihr FSJ machen, kann man sich auch immer gut unterhalten und „haeeh? Das kapier ich jetzt nicht“ sagen.


Gestern abend bin ich dann wiedermal in die Uni gefahren (ja, ich komm irgendwie nicht davon los), denn dort fand die Researchers Night statt – so etwas wie die Nacht der Wissenschaft bei uns. Und da sich das Formula Student Team Iceland dort angekuendigt hat, um ihren noch nicht fertigen ersten Rennwagen zu praesentieren, musste ich natuerlich hin und ein bisschen Industriespionage betreiben. Dort angekommen war ich mal wieder geplättet, denn die Universität Island hat einfach mal eigene Kinosäale. Dort wurden Vorträge gehalten, unter anderem ja auch vom Uni Racing (so nennen die sich, nicht sehr kreativ, wenn ihr mich fragt), aber da leider alles in Islaendisch war, hab ich null verstanden. Deswegen habe ich mir die Staende mal angeschaut, dort gab es allerhand eklige Sachen zu sehen. Glitschige Aale zum Beispiel, und Pferdeembryonen. Oder auch Pferdeföten, eines war nämlich schon richtig groß und etwas missgestaltet. Aber ich war ja eigentlich wegen dem Rennauto gekommen, und bin auch gleich mit den Jungs ins Gespraech gekommen. Als Resultat steht mir jetzt die Werkstatt von denen mehr oder weniger offen. Ein Bild von ihrem letzten Rennwagen findet ihr gleich hier. Dieser faehrt zwar nicht, hat aber trotzdem in Silverstone irgendeinen Award bekommen (vielleicht war es auch nur der Trostpreis). Die Außenhaut zum Beispiel sah schon ein bisschen billig aus. Wenn ich das richtig verstanden habe, besteht sie aus Fiberfasern ... vielleicht hab ich das aber auch falsch übersetzt. Und als Verschönerung haben die Islaender einen Topf weißer Farbe drüber ausgekippt und ein bisschen verschmiert – sehr hübsch

der Flitzer der University of Iceland

 

Heute habe ich endlich mal das getan, was ich schon die ganze Zeit machen wollte: ordentlich einkaufen gehen. Dafuer bin ich mit dem Bus ins Smáralind in Kópavógur gefahren, dem groessten Einkaufszentrum in Island. Aaaaahh, das Paradies. Allerdings haette ich mir mein Budget ein bisschen groesser gewuenscht, denn die Preise hier sind deutlich höher. Außerdem haben mir die vertrauten und eigentlich ueberall praesenten Textilhandelsketten gefehlt ... dafuer gibt es hier in jedem Laden mehr oder weniger immer das Gleiche zu kaufen. Jetzt ist das Raetsel also gelöst, weswegen die islaendischen Frauen immer gleich aussehen. Trotzdem habe ich ordentlich zugeschlagen, weil einmal kann man das schonmal machen. Wie amuesant war es außerdem, einfach mal durch seltsame Laeden zu schlendern und richtig seltsame Dinge zu entdecken – das sowas hier verkauft wird! Man schaue sich nur mal diese kranken Sonnenbrillen an (siehe Bild --> ich habe eine Bierglassonnenbrille auf). Das importieren die bestimmt aus Grossbritannien. Nur die Briten können sowas in Massen herstellen und wirklich verkaufen.

Biergläser auf dem Kopf


Und am Abend stand dann endlich mal wieder ein Besuch im Schwimmbad an, beziehungsweise ein köcheln im Hot Pot. Interessanterweise muss man in Island, bevor man ins Wasser geht, sich vorher nackig machen und an diversen Stellen, die eine grosse Tafel im Duschraum deutlich und sehr anschaulich vorschreibt, waschen. Find ich irgendwie auch gut so, denn besser als wenn man sich manchmal vorstellt, dass man in Wasser herumplanscht, in dem etwas weniger saubere Menschen diverse Körperabstossungen verlieren. Ja, aber gut, reden wir nicht weiter davon. Mir wird auch schon ganz schlecht.

Vor dem Baden ...


Das Wetter hier ist puenktlich zum Wochenende ziemlich graesslich geworden, es regnet die ganze Zeit. Aber da ich beschlossen habe, jetzt nicht mehr faul zu sein, werde ich so langsam anfangen, noch ein paar Themen fuer meine Bachelorarbeit zu recherchieren. Ausserdem muss ich mich erstmal bis uebernaechsten Mittwoch in die Schreibpause melden. Ich mache naemlich Urlaub, denn endlich kommt Daniel für eine Woche hierher. Dafuer werdet ihr bald aber auch exklusive Berichte von einem Mietwagenabenteuer in anderen Teilen von Island zu lesen bekommen. Also bis dahin liebe Leser, bleibt mir treu,


Liebste Gruesse
Eure kauflustige Susi
 

25.9.11 00:17
 
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