MÄÄÄHHH - Sheepworld



Es war die Empfehlung überhaupt: "Geh da unbedingt hin!" und " Das ist ein unvergessliches Ereignis!" - so wurde der Rettìr, der Schafsabtrieb in Island, mir von allen angepriesen. Da die Fahrt dorthin von der Universität Island organisiert wurde, machte ich mich am Mittwoch bereits auf zu meinem ersten Besuch in der Uni. Und WOW! Da kann sich Freiberg eine Scheibe abschneiden, ach was, gleich ein ganzes Brot! Dort drin ist vorrangig alles aus Glas, mit Designermöbeln ausgestattet, verständlich ausgeschildert (immerhin konnte ich mich fast sofort orientieren) und überall stehen Imacs für die Studenten rum. Imacs! Das überlege sich man mal! Nun ja, im Büro für internationale Studenten konnte ich mich ganz unkompliziert anmelden, die 33 Euro bezahlen und niemand fragte mich, ob ich denn überhaupt ein Student der Uni sei.


Am Samstag hatte ich dann wiedermal Ärger auf das isländische Bussystem. Ich meine, hallo?, warum fahren hier an einem Samstag keine Busse vor 8:30?? Was ist das denn? Demzufolge musste ich schon 6:30 aufstehen, und dann eine dreiviertel Stunde zu Fuss durch das morgendliche Reykjavik stampfen,
bevor ich pünktlich um 8 an der Uni ankam. Das ganze erinnerte mich ein bisschen an Klassenfahrt. Drei riesige Busse, gestresste Betreuer und überall wurde gekichert. Nunja, ich habe dann noch erfahren, dass wir zusätzlich zum Rettír noch den Golden Circle besuchen würden - toll, als ob ich das noch nicht gesehen hätte! Aber wenigstens war gutes Wetter angesagt und ich konnte vielleicht Bilder bei Sonne machen. Nach ca. 2 Stunden Fahrt, auf denen die Betreuerin unablässig redete und meine Schlaf störte, kamen wir dann endlich an.

Kaum stieg man aus dem Bus, hörte man überall ein lautes
MÄÄÄÄÄÄHHHH,MÖÖÖHHH!! Zwischen den Schafen tümmelten sich auch etliche Pferde und viele Isländer in ihren schicken Islandpullis und in orangen Arbeitshosen. Diese Islandpullis werden übrigens aus der Schafswolle gemacht, und wer glaubt, sie wären nur eine Tracht, die sich die Touristen für teuer Geld kaufen würden - falsch gedacht! Es ist eher selten, dass man einen Isländer ohne seinen Islandpulli sieht, die es auf Grund der Farbvielfalt der Schafe (es gibt hier nicht nur weiße!) sich in Farbe und Machart unterscheiden können. Angeblich sollen diese Pullover so warm sein, dass man im Winter nicht friert, und nebenbei auch noch Regen abweisen.Jedenfalls ist Sinn und Zweck das Rettír, dass die Schafbesitzer ihre Schafe wiederfinden, die sie während der Sommermonate völlig frei umherlaufen lassen. Die Schafe werden also im September zusammegetrieben, mit Jeep,Pferd,ATV oder zu Fuss, und in die riesigen Steinkoppeln gebracht. Beim Sortieren werden sie dann in eine Art Steinkorral getrieben, von dem viele Türchen weggehen - eine für jeden Schafbesitzer. Die Isländer steigen also zu den Schafen in den Ring, packen sie an den Hörnern, schauen nach zu wem sie gehören, schleifen und zerren sie dann zur richtigen Tür,schubsen sie durch, und das Schaf rennt auf eine kleine abgetrennte Koppel, wo die Schafe von einem Züchter gesammelt werden. Das ist in Island ein richtiges Volksfest! Selbst kleine Kinder werden in die verängstigte Schafherde gesteckt und laufen dadrin rum. Nur seltsam ist, dass es dort keinerlei Fressbuden gibt.

Der

Und da wir zweieinhalb Stunden dort ausharren mussten, hat einem ganz schön der Bauch geknurrt. Nach einer Stunde war dann auch alles gesehen und es war nicht mehr wirklich spannend, zuzuschauen. Aber wenigstens hat die Sonne geschienen und es gab dort auch viele Pferdchen zum streicheln.
Allerdings muss ich sagen, dass ich ein bisschen mehr davon erwartet hätte. Ich meine, es war ganz schön, das mal gesehen zu haben, aber als DAS Highlight in Island sehe ich es nicht unbedingt. Zumal da auch nicht besonders sanft mit den Schafen umgegangen wird. Eins hat sich z.B. das Bein gebrochen, als die Schafe in ihrem Steinkreis von den Isländern durch die Gegend gejagt wurden. Es wurde unsanft am Kopf gepackt und über die Koppel geschleift, dann über den Schotter drüber! Dieses Schaf hat den Tag auf Garantie nicht überlebt.Zumal die anderen auch nicht mehr lange zu leben haben werden.

Määähhh

Denn nach dem Rettír verkauft jeder Farmer seine Schafe ans Schlachthaus und dann wird das gesamte Schaf verwertet. Das war vor der Finanzkrise auch nicht so - da wurden nur die besten Teile aufgefuttert, und natürlich die Wolle. Die Schafe sehen außerdem anders aus als deutsche Schafe, die haben nämlich keine Locken, sondern langes glattes Fell. Damit sehen sie ein bisschen aus wie rennende Fellhocker. Jedenfalls kaufen die Isländer, seitdem sie sparen müssen, wieder alle Teile vom Schaf - auch den Kopf, der ist nämlich angeblich eine Delikatesse.


So, genug Schafe gesehen. Die Tour ging weiter zum Golden Circle, den ich ja vor zwei Wochen schon gesehen hatte. Erster Halt war Gulfoss, bei dem man bei schönen Wetter sogar Regenbögen bestaunen konnte, dann ging es weiter zu Strokkur, dem Geysir, den ich endlich einmal ordentlich aufs Bild bekommen habe, und dann noch ein letzter Stop im Thingvellir Nationalpark.

Immer wieder Gulfoss!

 

strokkur

 

Heute zeigt sich Island wieder von seiner besten Seite, es ist grau, es ist windig und es regnet die ganze Zeit. Also werde ich fleißig Isländisch lernen, denn mein Kurs (mit fünf Deutschen von insgesamt neun Teilnehmern) hat ja am Freitag angefangen. Was ich bereits sagen kann: Èg heiti Susann (sprich: Iech heyti Susann)- Mein Name ist Susann.

Bis demnächst & die Besten Grüße von
Eurer, heute etwas faulen, Susi 

PS: Bilder zum gestrigen Tag wie immer in der Galerie

18.9.11 15:12
 
Gratis bloggen bei
myblog.de