Reitausflug - ein schöner Tag

Endlich Wochenende! Endlich mal wieder was anderes sehen als PDF oder Exceldateien. Zur Feier des Freitages hatte ich mich mit Caro, der deutschen Austauschstudentin aus Jena, verabredet.
An diesem Abend sollte in downtown ein Literaturfestival sein, und da wollten wir mal vorbeischauen. Zuerst besuchte ich sie in ihrem Guesthouse. Dort leben nur Austauschstudenten aus allen Ländern
in einem Haus zusammen, haben ihr eigenes (mehr oder weniger gut ausgestattetes) Zimmer und teilen sich Küche und 2 Bäder. Nur so als kleine Nebeninfo, im Monat bezahlt man dafür um die 370€.
Dort lernte ich noch ein paar andere Studenten aus Finnland,Polen und Frankreich kennen, wir haben zusammen was gegessen und dann ging es auch schon los ins Theater, wo das Festival stattfinden sollte.


Auf dem Weg sammelten wir 2 weitere Deutsche ein. Natürlich kamen wir zu spät, und mussten deswegen in der Vorhalle rumstehen, weil alle Sitze bereits belegt waren.
Das war nicht nur unbequem, es war auch recht dumm, da man durch die großen Menschen die vor einem standen nicht auf den Bildschirm schauen konnte, auf dem die isländischen Abschnitte, aus denen gelesen wurde, ins Englische übersetzt wurden. So war es eigentlich nur rumstehen und zuhören, aber nichts verstehen. Zum Glück kam dann aber noch eine deutsche Autorin, Herta Müller, die auf Deutsch gelesen hat - und das war noch nicht mal mehr ein Buch voller Stuss. In dieser Hinsicht hat sich das Festival also gelohnt. Als wir dann aus dem Theater kamen und Richtung downtown liefen, schauten wir wie zufällig mal in den Himmel:
und siehe da, da waren sie. NORDLICHTER! Überall am Himmel tanzten sie in grünlichem Schimmer für ein paar Momente, um dann wieder zu verschwinden und an irgendeiner anderen Stelle des Himmels neu aufzutauchen.

 

Nordlichter über Reykjavik


Das war ein richtiges Spektakel, und vor allem war es wunderschön. Ich bin dann auf dem Rückweg zu meinem Hotel am Strand entlanggelaufen (nebenbei bemerkt, es war arschkalt!), und dort hat man sie noch viel intensiver gesehen. Das war richtig toll.


Am nächsten Tag hatte ich dann einen Ausflug mit Familienanschluss. Ulla, meine Arbeitskollegin, die zufällig auch gern reitet, wollte mit mir auf eine Pferdefarm gehen, die nicht touristisch ist (weil man sich da dumm und dämlich bezahlt und nichts davon hat), und hat das ganze noch mit einer kleinen Tour durch Südisland verbunden. Natürlich kam sie mit Kindern, Mann und Jeep. Zuerst machten wir halt bei Urriðafoss, dem wasserreichsten Wasserfall Islands, der auch noch direkt an der Ringstraße liegt (sozusagen der "Autobahn" von Island). 360 m³ stürzen dort pro Sekunde in die Tiefe. Und obwohl der Wasserfall damit der größte Islands ist, findet kaum je ein Tourist den Weg dahin, obwohl er recht zentral liegt (nämlich etwa 16 km südlich von Selfoss), damit ist dieser Wasserfall ein echter Geheimtipp!

Urriðafoss

Und das wahrscheinlich auch nicht mehr für lang, denn es ist geplant, ein Wasserkraftwerk an dem Wasserfall zu bauen und den Fluss anzustauen. Das wäre natürlich das Ende für Urriðafoss. Nach einer kleinen Wanderung am Flussufer fanden wir ein Plätzchen, wo es nicht windig war (aber trotzdem kalt) und konnten dort Picknicken. Dabei bekam ich wieder mal etwas typisch Isländisches zu Essen: Fladenbrot (das ich mir übrigens in Erwartung eines süßen Eierkuchens vor ein paar Tagen im Supermarkt gekauft hatte, es dann aber entsetzt wieder ausspucken musste), das traditionell mit Lammschinken gegessen wird. Auf diese Weise war es sogar
recht lecker. Ulla und ihr Freund Thomas leben übrigens seit 10 Jahren schon in Island mit den Kindern Yara und Leonhardt, und haben hier schon alles gesehen. Das hindert sie aber nicht daran, sich immer wieder gerne an Deutschland zurückzuerinnern.

Als das Thema dann auf den mit Sicherheit bevorstehenden Ausbruch des Vulkans Katla überging, fragte ich mal, was dass den für Folgen für Island hätte. Katla ist einer der größten Vulkane hier
und man könnte seinen Ausbruch nicht mit dem des Eyjafjallajökull gleichsetzen - es könnte richtig dramatisch werden. Zum einen müssten wegen der riesigen Aschemenge in der Luft alle Isländer Staubmasken tragen, die Autos könnten aufgrund der abrassiven Aschepartikel nicht mehr weit fahren, ohne kaputt zu gehen, Landwirtschaft und Viehhaltung würden zusammenbrechen, da es kein Futter mehr gibt, die Insel könnte nicht mehr per Flugzeug erreicht werden, Straßen nahe am Katla würden durch die abgehende Flutwelle (das Eis im Gletscher schmilzt und taut sofort ab) zerstört werden, weswegen es mehr oder weniger unmöglich wird, in den Osten von Island zu gelangen. Von der regionalen
Wetteränderung einmal abgesehen. Und das Erschreckendste war, dass Katla bald ausbrechen wird - er ist nämlich schon 10 Jahre überfällig, und die Vulkanologen zeichnen immer wieder Erbeben in seiner Nähe auf.


Ich glaube, falls dieses Ding noch während meiner Anwesenheit Feuer spucken sollte, packe ich meine Siebensachen und buche eine Fährüberfahrt nach Dänemark - das will ich nicht erleben. Zumal auch von einer "Evakuation" die Rede ist.
Nun aber zu einem anderen Thema: das Ziel dieses Ausfluges war ein Reiterhof. Dort angekommen war ich natürlich mal wieder nicht davon abzuhalten, die Islandpferde zu streicheln.

Gamlí

Im Stall habe ich sogar meinen Liebling entdeckt - der konnte nur leider noch nicht geritten werden, weil er erst 4 Jahre alt war. Habe schon mit dem Gedanken gespielt, ein pferdiges Mitbringsel nach Deutschland zu verschiffen. Dann ist mir leider klar geworden, dass ich immer noch nicht im Lotto gewonnen habe. Mist. Naja, der Pferdemensch holte mir mein Pferd von der Weide, Mílena,eine hübsche Fuchsstute.

Mílena

 

Zu meinem Entsetzen erzählte mir Ulla dann, wie es in Island mit den Pferden gehandhabt wird:
zunächst gilt ein strenges Einreiseverbot für fremde Pferde. Selbst wenn ein Islandpferd nur einmal kurz im Ausland war, darf es nie wieder zurück auf die Insel aus Angst, die Rasse zu verunreinigen. Zucht ist hier nämlich alles.
Pferde werden anders gehalten als in Deutschland, nicht aus Spass und Freude, sondern nur um möglichst gute Nachkommen zu züchten (natürlich will ich nicht behaupten, dass den Isländern sonst nichts an den Pferden liegt), aber:
alle Fohlen, die nicht den hohen Erwartungen entsprechen, werden sofort euthanasiert. Bzw., eigentlich mit Bolzenschuss niedergestreckt und dann verspeist. Ehrlich, das finde ich ziemlich barbarisch.
Dann aber ging der Ausritt los (es war lustig, den großen Thomas zu sehen, der auf das kleinste Pferd gesetzt wurde), und es war richtig klasse, die 5. Gangart der Islandpferde, den Tölt, auszuprobieren. Es ist, als ob man auf einem Sofa sitzen würde. Dann wurde es mir aber doch zu langsam und ich bin mit Mílena mal ein bisschen galoppiert - das ist, aus irgendeinem Grund, ziemlich unpopulär bei den Isländern. Die reiten lieber langsam im Tölt.
Aber mir hats gefallen ... ohne Galopp zu reiten ist für mich auch kein richtiges reiten.


Auf dem Rückweg haben wir noch einen Halt bei Hellisheiði, dem Geothermalkraftwerk, an dem ich gerade arbeite, gemacht. Es war wirklich beeindruckend, live zu erleben, welche Kräfte in der Erde wirken. Der Dampf, der aus den Bohrlöchern kam, machte einen Krach als würde man bei einem Konzert zu nah an den Boxen stehen. Natürlich habe ich für meine Bachelorarbeit viele Fotos geschossen.

Es dampft, und es macht Krach!

Alles in allem war das also ein sehr gelungener Tag.

11.9.11 14:14
 
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