Die Insel aus Feuer unter Eis.



Gestern habe ich mir einen Ausflug gegönnt, um mal aus Reykjavik herauszukommen. Man hört immer nur, Island sei ja ach so toll, aber wenn man es nie mit eigenen Augen sieht, kann man auch nicht mitreden. Deswegen habe ich kurz entschlossen die Tour zum Goldenen Kreis, einem der Highlights Islands überhaupt, gebucht. Trotz meiner Erkältung, die einfach nicht weggehen will. Gestern um 8:30 sollte es losgehen. 8:30 kam und ging, aber da der Bus viele Hotels anzufahren hatte, war ich noch guter Dinge. Als dann 9:00 Uhr kam und ging, wurde ich einerseits wütend, zum anderen sehr zappelig. In der Hotelrezeption kümmerte man sich, so wie ich es schon vom Fosshotel kenne, gleich um mein Problem und setzte sich mit Time Tours in Verbindung. Dabei kam heraus, dass der Tourguide 3 Hotels vergessen hatte, und schon auf dem Weg war. Allerdings werde ein Bus nachgeschickt, um die zurückgelassenen Gäste, unter anderem ja auch mich, aufzulesen.  
Als dann 9:30 ein klappriger Toyota-Bus auf den Hotelparkplatz gedüst kam, war ich sehr erleichtert. Das Wetter war gut, und das wollte ich schließlich auch nutzen. Der Guide entschuldigte sich tausendmal und ich nahm neben Rob, einem australischen Kinderpsychologen aus Sydney, Platz, der hier wegen einer Ärztekonferenz war. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. Wir sammelten noch ein amerkianisches Pärchen aus New York auf, die trotz Schmuddelklamotten
im Grand Hotel untergekommen waren, und tatsächlich alle Klischees des Durchschnitts-Amerikaners erfüllten. Rob's Englisch war sehr verständlich, aber dass der beiden "Buddies" war einfach purer Slang. Der Ersatzguide, Ronnie, düste also in einem Affentempo zum Thingvellir-See, der im Thingvellir Nationalpark lag, dem ersten Etappenziel der Tour. Dort sollten wir dann den eigentlichen Tourbus treffen und von diesem herzlich aufgenommen werden. Der Thingvellir Nationalpark zeichnet
sich nicht nur dadurch aus, dass hier der Sitz des Althing war, einer Art Parlamentsversammlung der Goden (freie Bauern, die gleichzeitig Oberhäupter der Godentümer waren - Bauern als Oberhäupter! Da hätte sich Karl Marx gefreut!), die erstmals im Jahr 930 an genau diesem Ort stattfand. Da dort die Felsen so scharfkantige Vorsprünge bilden, konnte man da mit prima Akustik Reden schwingen, die jeder verstand, und gleichzeitig erhöht stehen, so dass man auch von jedem gesehen wurde. Aber Thingvellir zeichnet sich eigentlich dadurch aus, dass es die Nahtstelle zwischen der europäischen und nordamerikanischen Platte ist. Man befindet sich "quasi" mit einem Bein in Nordamerika und mit einem in Europa. Zwischen den Platten ist eine Art Niemandsland, da dort der Riss ist, in dem Magma nachquillt um die Fuge zu schließen. Jährlich driften die Platten, in Thingvellir gut messbar, mehrere Zentimeter auseinander! Das ist, für geologische Verhältnisse, ein Affentempo. Wie stark die Tektonik
hier wirklich ist, wurde außerdem 1789 deutlich: binnen zehn Tagen sackte dort der Boden nach einem Erdbeben um 67 cm ab!

Zwischen den Welten

 Nachdem meine Gruppe, die neben mir noch aus einer Horde Japaner, vier Amerikanern, einem Australier und vier nicht zuordbaren Spezies bestand,genügend Bildmaterial gemacht hatte (hier der erste Vorteil meiner Sitznachbarschaft mit Rob: er hat immer Bilder von mir gemacht), ging es einmal um den Thingvellir See herum, in dem man übrigens sehr gut schnorcheln kann, weil er so klar ist.
Dabei soll man nochmal einen guten Eindruck der vielen vielen Mikrorisse bekommen, in die der Boden hier zerbrochen ist wegen der starken Bewegung. Dann brauste der neue Guide Richtung Gulfoss, dem Goldenen Wasserfall, der von dem Gletscher Langjökull gespeist wird. Auf der Fahrt sahen wir viele viele Pferde und Schafe, die wild leben und ich bestätigte das, was ich mir schon in den letzten beiden Wochen gedacht hatte, nachdem ich mehrmals beinah von einem Auto bei grün auf der Fussgängerampel überfahren wurde:

Die Isländer fahren grauenhaft! Ohne Rücksicht auf den Kleinbus zischte der Guide über Schlaglöcher, Bremshügel und komische Gitter in der Straße, dass es nur so krachte und wir alle auf und ab hopsten auf unseren Sitzen. Irgendwie sind wir dann aber doch bei Gulfoss angekommen. Dieser Wasserfall ist wirklich die Reise wert. Insgesamt 32 m stürtzt das Wasser in die Tiefe und hinterlässt dabei einen feinen Nebelschleier, der in der Luft hängt und der ganzen Szenerie irgendwie einen mystischen Touch verleiht.

Gulfoss

Im Touristenzentrum konnten wir dann zu Mittagessen, und hier war der zweite, große Vorteil von Rob: er spendierte mir eine Cola und eine landestypische Lammsuppe. Er meinte, er sei auch mal Student gewesen und hat sich gefreut, wenn er etwas zu Essen bekommen hat. Im Gegenzug sollte ich, wenn ich dann doch irgendwann mal arbeiten sollte, auch mal einem armen Studenten ein Essen spendieren. Was ich vielleicht sogar machen werde. Als kleinen Gefallen habe ich Rob noch geholfen, ein Souvenir für seine Kinder auszusuchen.
Nachdem die Amerikaner, natürlich wie immer, um eine halbe Stunde nach der verabredeten Zeit am Bus eingetroffen sind, konnte es weitergehen zu den Hot Springs, den heißen Quellen, bei denen auch die Geysire beheimatet sind. Das Wort "Geysir" bezeichnet eigentlich nur einen der Geysire, den größten, er aber gerade seinen langen langen Winterschlaf hält. Er wurde so von dem Landbesitzer vor vielen hundert Jahren benannt, welcher der eruptierenden Heißwasserquelle aus Gründen, die man nicht ganz nachvollziehen kann, den Namen seines
Lieblingspferdes gab: Geysir.

Der Name allerdings hat sich verallgemeinert und bezeichnet jetzt das Phänomen als Geysir. In den Hot Springs kann man den Geysir "Strokkur" bewundern, der alle 3-7 min eruptiert. Allerdings ist es gar nicht so einfach, ihn auf Bild zu bekommen, da die Heißwasserfontäne nur für ca. 1 Sekunde nach oben schießt, und danach nur Nebel in der Luft hängt.

Strokkur

Trotzdem ist es mir, nach vielen Versuchen, von weiter weg gelungen. In dem Gelände konnte man noch etwas herumwandern (dank meiner Wanderausrüstung konnte ich das auch professionell tun) und die bergige Landschaft begutachten. Ein bisschen wie in den Alpen sah es schon aus. Aber die Alpen wirken zivilisierter.


Als letzten Punkt unserer Tour steuerten wir den Vulkankrater Kerið an, der als "Implosionskrater" durch eine einbrechende Magmakammer entstand, welche der Auflast des durch sie selbst an die Oberfläche geworfenen Asche/Geröllberges nicht mehr Stand halten konnte. Dieser Krater hat sich mit Grundwasser gefüllt, und dient als Grundwasserstandsbarometer. Und an manchen Tagen auch als Konzertsaal, weil da wiederum so eine tolle Akustik sein soll.

 Vulkankrater Kerið


Björk war die Erste, die auf einer im Vulkansee schwimmenden Bühne im Krater performt hat.
Auf dem Rückweg fuhren wir an großen erkalteten Lavaströmen vorbei, die von einer dicken Schicht "Isländisch-Moos" bedeckt sind. Wer Halsschmerzen hatte, wird vielleicht die eigenartig schmeckenden, gleichnamigen Lutschtabletten kennen, die aus eben diesem Moos hergestellt werden.
Dieses Moos kann eine Dicke von bis zu 1 m erreichen!

An einem Rastplatz entdeckte ich eine Gruppe grasender Islandpferde mit ihren Reitern, und eine Reiterin war ein deutsches Mädchen, was für ein Jahr auf einer Pferdefarm arbeiten will - das ist irgendwie cooler als blöde Fachvokabeln aus dem Isländischen zu übersetzen, wie ich es derzeit machen muss. Die süßen Pferdchen waren auch, trotz der tollen Dinge, die ich gesehen hatte, irgendwie das Highlight des Tages für mich. Mein nächster Ausflug wird mich sicher zu ihnen führen.

Highlight des Tages

4.9.11 14:06
 
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