Was heisses Wasser und Eier hier gemeinsam haben ...




Heute möchte ich, weil unter der Woche ja weniger aufregende Dinge geschehen und der islaendische Alltag ziemlich schnell Realitaet geworden ist, mal auf ein paar Dinge eingehen, die mir hier so aufgefallen sind, und einige islaendische Eigenheiten beschreiben.


Das Wetter ist diese Woche wirklich widerlich, es ist zwar nicht allzu kalt, aber dafuer umso nasser. Und es ist nicht so, dass der Regen hier nur von oben kaeme, nein, man wird von vorne, hinten und den Seiten angesprueht. Wirklich eklig. Allerdings ist es nicht so, dass der Name Eisinsel (vor allem hier im Sueden) wirklich gerechtfertigt waere. In Reykjavik ist es waermer als in der Schweiz, und die Stadt hat vor allem mehr Sonnenstunden als Florida! Allerdings ist das Wetter hier sehr wechselhaft und man kann an einem Tag alles erleben, von Sonne ueber Regen bis Schnee. Seeklima eben. Auch die Winter sollen hier sehr mild sein, um die 0°C herum, wobei man natuerlich auch mal -10°C erleben kann, aber genauso gut +10°C. Im Sommer uebersteigen die Temperaturen dafuer jedoch ganz ganz selten die 20°C Marke. Es ist also gar nicht so eisig, wie alle denken!


Von meiner Seite gibt es eigentlich nur Positives zu berichten, ich bin endlich in einen guten Islaendisch-Kurs gekommen, der ab 16.September dreimal in der Woche stattfindet, habe ein gutes und preiswertes Fitnesscenter gleich um die Ecke meiner Arbeit gefunden (allerdings haben mich die Preise der Sportschuhe wiedermal ernuechtert), eine Deutsche hier auf Arbeit kennengelernt, die sehr nett ist und mich sogar mit zum Reiten nimmt, und heute werde ich mich ausserdem mit einer deutschen Austauschstudentin zum Abendessen treffen. Ihr seht, langsam lebe ich mich ein.
So, jetzt gehts hier aber wirklich mal los. Um auf den Titel meiner heutigen Ausfuehrungen mal zurueckzukommen – das Wasser stinkt bestialisch nach Schwefel, also Ei, wenn es heiss wird. Das heisst, dass man jeden Morgen bei der Dusche erstmal einen Uebelkeitsanfall abwenden muss. Die Islaender sind stolz auf ihr Wasser, denn es sei angeblich das reinste und gesuendeste Wasser der Welt, da es eben aus unterirdischen Quellen kommt und sofort gefahrlos getrunken werden kann. Das mag ja auch stimmen, aber der hohe Schwefelanteil im Wasser fuehrt eben zu diesem unleckeren Geruch – beim Duschen,Kochen, oder wo man sonst noch so heisses Wasser braucht. Ich weiss nicht, ob ich mich daran gewöhnen kann.


Gestern habe ich zum ersten Mal ein echt islaendisches Gericht verdrueckt. Plokarri, das ist im Wesentlichen eine Pampe aus Kartoffeln und Fisch. Dazu ist man suesses Brot, was nach Aussehen und Konsistenz eher an Pumpernickel erinnert, aber anders schmeckt. Zum Nachtisch gab es Skyr, eine Art Joghurt-Quark, der, wie die Islaender mir mit kaum verkennbarem Stolz erzaehlt haben, sogar in die USA exportiert wird. Skyr wird aus Kuhmilch hergestellt und mit Zucker und Sahne gegessen – es schmeckt auch wirklich gut! Plokarri war auch nicht so widerwaertig, wie ich mir vorgestellt habe, sondern sogar ganz lecker.
Beim Mittagessen heute (diesmal gab es mexikanische Burritos) hat mir ein wirklich sehr alter Mann erzaehlt, der aber erstaunlicherweise sogar in der Lage war, auf seinem Touchscreenhandy Emails zu lesen, dass man bis in die 70er Jahre in Island keine  Nudeln und keinen Reis kannte, und sich eigentlich nur von Fisch und Lamm ernaehrte!


Und habt ihr gewusst, dass es in Island keine richtigen Nachnamen, bzw. Familiennamen gibt? Hier existiert das Vaternamensprinzip, und laut Ragnar hat das den Grund, dass bei so wenig Einwohnern nur sehr wenig Familiennamen entstehen koennen (ja, Inzucht und so), und zwangslaeufig man auch jeden Familiennamen kennen wuerde. Bekommt ein Familienname jetzt einen schlechten Ruf weg, waeren viele Islaender sofort als diejenigen mit der doofen Familie identifizierbar. Klang irgendwie logisch. Deswegen also das Vaternamensprinzip. Das funktioniert so, dass das Kind immer den Vornamen des Vaters mit einem –son hinterndran, wenn es ein Junge ist (der Sohn), und einem –dóttir hintendran, wenn es eine Tochter ist. Da mein Vater Timo heisst, wuerde ich in der islaendischen Namensgebung also Susann Timosdóttir heissen. (und mal angenommen, ich waere ein Junge, dann Susann Timosson). Allerdings habe ich mir sagen lassen, dass es durchaus auch ueblich ist, den Namen der Mutter als Nachnamen mit son oder dóttir verpasst zu bekommen. Bringt wahrscheinlich mehr Vielfalt in die Nachnamenslandschaft.


 Mein mehr oder weniger letztes Thema zu den islaendischen Eigenheiten, zumindest fuer heute, soll die Bankenkrise 2008 sein. Damals ist Island nur knapp einem Staatsbankrott entronnen, und wenn man so hört, wie die Islaender davor gelebt haben, ist das auch absolut kein Wunder. Natuerlich gilt hier die Bezahlung mit Plastik via Kreditkarte als Standard, auch wenn man sich nur Eis oder eine Dose Cola am Automaten kauft. Damals seien wohl nur und ausschliesslich dicke Jeeps mit Ledersitzbezuegen durch die Gegend gefahren, und das auch auf den kuerzesten Strecken. Kredite, vor allem auch zum Hausbau oder Immobilienkauf, hat jede Torfnase bekommen. Sich mit dem Bus oder Fahrrad fortzubewegen wurde als „arm“ und „Loser“ angesehen, und was ich am Eigenartigsten fand, alle, die Outdoor – oder Regenkleidung trugen, auch. Der Grund war, dass sich die Outdoorklamottentraeger ja kein Jeepdach ueber dem Kopf leisten konnten, mit dem sie ueberall trocken hingelangen könnten. Die Islaender sagen von sich selbst, dass sie vor dieser Zeit wohl zu arrogant gewesen sein. Dann kam der grosse Crash, und man sieht heute noch viele unfertige Gebaeude in der Gegend stehen, die vor 2008 angefangen, aber nie zu Ende gebaut wurden. Aber das Bewusstsein der Islaender hat sich dadurch veraendert. Viele fahren jetzt mit dem Fahrrad zur Arbeit, und Outdoorkleidung wird nicht mehr belaechelt. Es gibt nicht mehr so viele Jeeps, und naja, dafuer aber viele Schrottkarren vorrangig japanischer Hersteller. Mit Schrottkarre meine ich aber wirklich rostige, alte, heruntergekommene Schrottkarre. Und ein Sinn fuers Sparen scheint sich langsam durchgesetzt zu haben – es werden zum Beispiel keine Schokokekse mehr als Nachtisch in der Kantine bei Mannvit gereicht .
Was mir gerade noch so spontan einfaellt und ich an den Islaendern wirklich putzig finde, ist ihre Art, JAU!!, oder JAAOW!  zu rufen, wenn man sie bestaetigt, ihnen recht gibt oder sie etwas gut finden.


So, morgen werde ich mal den Mannvit-Badmintonkurs testen, der mittags zur Arbeitermotivation stattfindet, und fuer das Wochenende habe ich einen Ausflug zum Goldenen Kreis geplant. Was das genau ist, könnt ihr hoffentlich im naechsten Blog dann nachlesen


Vollgefutterte Gruesse aus der Mittagspause (in der dieser Blog entstand) sendet euch
Eure Susi


31.8.11 18:53
 
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