Eine Ode an den Konsum



Gestern war Freitag, und das bedeutet: Kuchentag! Oder Kuchnacht, wie ich es nenne (sorry, kleiner Insider). Das bedeutet, 3 Mitarbeiter der Abteilung werfen ihren gesamten Zuckervorrat in eine Ruehrschuessel und mixen das Ergebnis mit viel Schokolade. Ich habe ja schon haeufiger darueber erzaehlt, aber der Kuchen gestern hat einfach mal den Vogel abgeschossen. Das war einfach eine mindestens sieben Zentimeter fette Zucker/Schokoglasurschicht auf einem duennen Kuchenteig, natuerlich ebenfalls Schoko. Ein Bissen davon, und ich bin fast am Zuckerschock gestorben! Aber die Islaender huellen dieses Kalorienkunstwerk ,das eine zehnköpfige afrikanische Familie mindestens drei Wochen vor dem Hungertod bewahren könnte, natuerlich noch dick ein mit Schlagsahne oder wahlweise Erdbeerzuckersosse. An die Essgewohnheiten hier werde ich mich auf keinen Fall gewöhnen können. Wenn das Lieblingsessen der Kinder Milchreis mit Zucker und Zimt (normal) mit, Achtung, Blutwurst und Leber ist, dann ist das einfach zu absonderlich. Wenn der Stockfisch, der mit seinem Salzgehalt etwa equivalent zum Zuckergehalt im Schokokuchen ist (abartig), haeufig auf den Teller kommt, und dazu noch ne dicke Scheibe geraeuchertes Lamm (widerlich) mit rohem Rotkraut, dann sind das einfach keine kulinarischen Genuesse. Aber da ja endlich das lang ersehnte Paket von zu Hause eingetroffen ist, kann ich jetzt endlich wieder gute deutsche Fertignahrung geniessen.


Fast die Haelfte meines Aufenthalts hier ist schon wieder rum. Wahnsinn, wie unbemerkt die Zeit doch vorankriecht. Ich kann als erstes Resumee zu Island sagen, dass es ein tolles Land zum Reisen ist. Wer auf Natur pur, Abenteuer und abwechslungsreichen Urlaub steht, der ist hier goldrichtig. Wer mal etwas anderes als den Hotel-Sonne-Meer-Eiscreme-Buffet-Urlaub erleben möchte, der sollte unbedingt nach Island kommen. Es lohnt sich wirklich, denn man kann jeden Tag neue, faszinierende Dinge erleben, die man nirgendwo auf der Welt so zu Gesicht bekommen wuerde.
Zum Leben allerdings waere Island fuer mich nichts. Es gibt viele Menschen, die sich hier sehr wohl fuehlen, aber man muss immer bedenken, dass man in einem Land ist, dass nicht mehr als rund 300.000 Einwohner hat, die alle verschwörerisch zusammenhalten. Man wird immer hier ein Fremder sein, und wahrscheinlich nie ganz in den internen islaendischen Zirkel aufgenommen werden. Weil das Land so klein ist, gibt es nicht die deutschen Annehmlichkeiten, wie Mobilitaet fuer alle und ueberall (danke, Deutsche Bahn!).
Ausserdem ist das Land wirklich sehr klein, und sehr abgelegen so einsam und verloren im Nordatlantik. Einfach mal schnell in ein anderes Land, das geht so nicht. Dafuer braucht  man schon das Flugzeug.
Aber das ist es alles nicht, was mir fehlen wuerde. Island macht seinem Namen Ehre, es ist eisig, aber nicht vom Wetter her. Man spuert hier einfach nicht das, was man in anderen Laendern hat. Ich kann es nicht genau sagen, vielleicht Waerme, Herzlichkeit, Leben ... oder so. Irgendwas fehlt hier. Wer allerdings auf so was gerne verzichten kann, ein Naturbursche oder eine Naturbuerschin ist, gerne etwas abgeschieden lebt, der ist hier richtig!

Dem soll aber auch gesagt sein, dass diese Sprache verdammt schwer ist. Ich hatte bis jetzt vier Unterrichtsstunden, und krieg die Aussprache immer noch nicht auf die Reihe. Islaendisch ist einfach so ganz anders, als alle anderen Sprachen, die ich bis jetzt gelernt habe. Da ist mir mein kleiner Russischexkurs letztes Jahr sogar leichter gefallen.  Interessant, und irgendwie bezeichnend fuer Island, finde ich auch, dass es ungefaehr 40 Wörter fuer den Schweif des Pferdes gibt. Aber Wörter wie Romantik oder so, mussten von anderen Sprachen uebernommen werden.
Naja, jedenfalls macht es trotzdem Spass, denn meine Gruppe ist sehr nett. Und da sie mitunter aus 5 Deutschen besteht, die hier gerade ihr FSJ machen, kann man sich auch immer gut unterhalten und „haeeh? Das kapier ich jetzt nicht“ sagen.


Gestern abend bin ich dann wiedermal in die Uni gefahren (ja, ich komm irgendwie nicht davon los), denn dort fand die Researchers Night statt – so etwas wie die Nacht der Wissenschaft bei uns. Und da sich das Formula Student Team Iceland dort angekuendigt hat, um ihren noch nicht fertigen ersten Rennwagen zu praesentieren, musste ich natuerlich hin und ein bisschen Industriespionage betreiben. Dort angekommen war ich mal wieder geplättet, denn die Universität Island hat einfach mal eigene Kinosäale. Dort wurden Vorträge gehalten, unter anderem ja auch vom Uni Racing (so nennen die sich, nicht sehr kreativ, wenn ihr mich fragt), aber da leider alles in Islaendisch war, hab ich null verstanden. Deswegen habe ich mir die Staende mal angeschaut, dort gab es allerhand eklige Sachen zu sehen. Glitschige Aale zum Beispiel, und Pferdeembryonen. Oder auch Pferdeföten, eines war nämlich schon richtig groß und etwas missgestaltet. Aber ich war ja eigentlich wegen dem Rennauto gekommen, und bin auch gleich mit den Jungs ins Gespraech gekommen. Als Resultat steht mir jetzt die Werkstatt von denen mehr oder weniger offen. Ein Bild von ihrem letzten Rennwagen findet ihr gleich hier. Dieser faehrt zwar nicht, hat aber trotzdem in Silverstone irgendeinen Award bekommen (vielleicht war es auch nur der Trostpreis). Die Außenhaut zum Beispiel sah schon ein bisschen billig aus. Wenn ich das richtig verstanden habe, besteht sie aus Fiberfasern ... vielleicht hab ich das aber auch falsch übersetzt. Und als Verschönerung haben die Islaender einen Topf weißer Farbe drüber ausgekippt und ein bisschen verschmiert – sehr hübsch

der Flitzer der University of Iceland

 

Heute habe ich endlich mal das getan, was ich schon die ganze Zeit machen wollte: ordentlich einkaufen gehen. Dafuer bin ich mit dem Bus ins Smáralind in Kópavógur gefahren, dem groessten Einkaufszentrum in Island. Aaaaahh, das Paradies. Allerdings haette ich mir mein Budget ein bisschen groesser gewuenscht, denn die Preise hier sind deutlich höher. Außerdem haben mir die vertrauten und eigentlich ueberall praesenten Textilhandelsketten gefehlt ... dafuer gibt es hier in jedem Laden mehr oder weniger immer das Gleiche zu kaufen. Jetzt ist das Raetsel also gelöst, weswegen die islaendischen Frauen immer gleich aussehen. Trotzdem habe ich ordentlich zugeschlagen, weil einmal kann man das schonmal machen. Wie amuesant war es außerdem, einfach mal durch seltsame Laeden zu schlendern und richtig seltsame Dinge zu entdecken – das sowas hier verkauft wird! Man schaue sich nur mal diese kranken Sonnenbrillen an (siehe Bild --> ich habe eine Bierglassonnenbrille auf). Das importieren die bestimmt aus Grossbritannien. Nur die Briten können sowas in Massen herstellen und wirklich verkaufen.

Biergläser auf dem Kopf


Und am Abend stand dann endlich mal wieder ein Besuch im Schwimmbad an, beziehungsweise ein köcheln im Hot Pot. Interessanterweise muss man in Island, bevor man ins Wasser geht, sich vorher nackig machen und an diversen Stellen, die eine grosse Tafel im Duschraum deutlich und sehr anschaulich vorschreibt, waschen. Find ich irgendwie auch gut so, denn besser als wenn man sich manchmal vorstellt, dass man in Wasser herumplanscht, in dem etwas weniger saubere Menschen diverse Körperabstossungen verlieren. Ja, aber gut, reden wir nicht weiter davon. Mir wird auch schon ganz schlecht.

Vor dem Baden ...


Das Wetter hier ist puenktlich zum Wochenende ziemlich graesslich geworden, es regnet die ganze Zeit. Aber da ich beschlossen habe, jetzt nicht mehr faul zu sein, werde ich so langsam anfangen, noch ein paar Themen fuer meine Bachelorarbeit zu recherchieren. Ausserdem muss ich mich erstmal bis uebernaechsten Mittwoch in die Schreibpause melden. Ich mache naemlich Urlaub, denn endlich kommt Daniel für eine Woche hierher. Dafuer werdet ihr bald aber auch exklusive Berichte von einem Mietwagenabenteuer in anderen Teilen von Island zu lesen bekommen. Also bis dahin liebe Leser, bleibt mir treu,


Liebste Gruesse
Eure kauflustige Susi
 

25.9.11 00:17


MÄÄÄHHH - Sheepworld



Es war die Empfehlung überhaupt: "Geh da unbedingt hin!" und " Das ist ein unvergessliches Ereignis!" - so wurde der Rettìr, der Schafsabtrieb in Island, mir von allen angepriesen. Da die Fahrt dorthin von der Universität Island organisiert wurde, machte ich mich am Mittwoch bereits auf zu meinem ersten Besuch in der Uni. Und WOW! Da kann sich Freiberg eine Scheibe abschneiden, ach was, gleich ein ganzes Brot! Dort drin ist vorrangig alles aus Glas, mit Designermöbeln ausgestattet, verständlich ausgeschildert (immerhin konnte ich mich fast sofort orientieren) und überall stehen Imacs für die Studenten rum. Imacs! Das überlege sich man mal! Nun ja, im Büro für internationale Studenten konnte ich mich ganz unkompliziert anmelden, die 33 Euro bezahlen und niemand fragte mich, ob ich denn überhaupt ein Student der Uni sei.


Am Samstag hatte ich dann wiedermal Ärger auf das isländische Bussystem. Ich meine, hallo?, warum fahren hier an einem Samstag keine Busse vor 8:30?? Was ist das denn? Demzufolge musste ich schon 6:30 aufstehen, und dann eine dreiviertel Stunde zu Fuss durch das morgendliche Reykjavik stampfen,
bevor ich pünktlich um 8 an der Uni ankam. Das ganze erinnerte mich ein bisschen an Klassenfahrt. Drei riesige Busse, gestresste Betreuer und überall wurde gekichert. Nunja, ich habe dann noch erfahren, dass wir zusätzlich zum Rettír noch den Golden Circle besuchen würden - toll, als ob ich das noch nicht gesehen hätte! Aber wenigstens war gutes Wetter angesagt und ich konnte vielleicht Bilder bei Sonne machen. Nach ca. 2 Stunden Fahrt, auf denen die Betreuerin unablässig redete und meine Schlaf störte, kamen wir dann endlich an.

Kaum stieg man aus dem Bus, hörte man überall ein lautes
MÄÄÄÄÄÄHHHH,MÖÖÖHHH!! Zwischen den Schafen tümmelten sich auch etliche Pferde und viele Isländer in ihren schicken Islandpullis und in orangen Arbeitshosen. Diese Islandpullis werden übrigens aus der Schafswolle gemacht, und wer glaubt, sie wären nur eine Tracht, die sich die Touristen für teuer Geld kaufen würden - falsch gedacht! Es ist eher selten, dass man einen Isländer ohne seinen Islandpulli sieht, die es auf Grund der Farbvielfalt der Schafe (es gibt hier nicht nur weiße!) sich in Farbe und Machart unterscheiden können. Angeblich sollen diese Pullover so warm sein, dass man im Winter nicht friert, und nebenbei auch noch Regen abweisen.Jedenfalls ist Sinn und Zweck das Rettír, dass die Schafbesitzer ihre Schafe wiederfinden, die sie während der Sommermonate völlig frei umherlaufen lassen. Die Schafe werden also im September zusammegetrieben, mit Jeep,Pferd,ATV oder zu Fuss, und in die riesigen Steinkoppeln gebracht. Beim Sortieren werden sie dann in eine Art Steinkorral getrieben, von dem viele Türchen weggehen - eine für jeden Schafbesitzer. Die Isländer steigen also zu den Schafen in den Ring, packen sie an den Hörnern, schauen nach zu wem sie gehören, schleifen und zerren sie dann zur richtigen Tür,schubsen sie durch, und das Schaf rennt auf eine kleine abgetrennte Koppel, wo die Schafe von einem Züchter gesammelt werden. Das ist in Island ein richtiges Volksfest! Selbst kleine Kinder werden in die verängstigte Schafherde gesteckt und laufen dadrin rum. Nur seltsam ist, dass es dort keinerlei Fressbuden gibt.

Der

Und da wir zweieinhalb Stunden dort ausharren mussten, hat einem ganz schön der Bauch geknurrt. Nach einer Stunde war dann auch alles gesehen und es war nicht mehr wirklich spannend, zuzuschauen. Aber wenigstens hat die Sonne geschienen und es gab dort auch viele Pferdchen zum streicheln.
Allerdings muss ich sagen, dass ich ein bisschen mehr davon erwartet hätte. Ich meine, es war ganz schön, das mal gesehen zu haben, aber als DAS Highlight in Island sehe ich es nicht unbedingt. Zumal da auch nicht besonders sanft mit den Schafen umgegangen wird. Eins hat sich z.B. das Bein gebrochen, als die Schafe in ihrem Steinkreis von den Isländern durch die Gegend gejagt wurden. Es wurde unsanft am Kopf gepackt und über die Koppel geschleift, dann über den Schotter drüber! Dieses Schaf hat den Tag auf Garantie nicht überlebt.Zumal die anderen auch nicht mehr lange zu leben haben werden.

Määähhh

Denn nach dem Rettír verkauft jeder Farmer seine Schafe ans Schlachthaus und dann wird das gesamte Schaf verwertet. Das war vor der Finanzkrise auch nicht so - da wurden nur die besten Teile aufgefuttert, und natürlich die Wolle. Die Schafe sehen außerdem anders aus als deutsche Schafe, die haben nämlich keine Locken, sondern langes glattes Fell. Damit sehen sie ein bisschen aus wie rennende Fellhocker. Jedenfalls kaufen die Isländer, seitdem sie sparen müssen, wieder alle Teile vom Schaf - auch den Kopf, der ist nämlich angeblich eine Delikatesse.


So, genug Schafe gesehen. Die Tour ging weiter zum Golden Circle, den ich ja vor zwei Wochen schon gesehen hatte. Erster Halt war Gulfoss, bei dem man bei schönen Wetter sogar Regenbögen bestaunen konnte, dann ging es weiter zu Strokkur, dem Geysir, den ich endlich einmal ordentlich aufs Bild bekommen habe, und dann noch ein letzter Stop im Thingvellir Nationalpark.

Immer wieder Gulfoss!

 

strokkur

 

Heute zeigt sich Island wieder von seiner besten Seite, es ist grau, es ist windig und es regnet die ganze Zeit. Also werde ich fleißig Isländisch lernen, denn mein Kurs (mit fünf Deutschen von insgesamt neun Teilnehmern) hat ja am Freitag angefangen. Was ich bereits sagen kann: Èg heiti Susann (sprich: Iech heyti Susann)- Mein Name ist Susann.

Bis demnächst & die Besten Grüße von
Eurer, heute etwas faulen, Susi 

PS: Bilder zum gestrigen Tag wie immer in der Galerie

18.9.11 15:12


Was ihr schon immer über Island wissen wolltet



Auf speziellen Wunsch   kommt hier schon vor dem Bergfest eine neue Folge der beliebten Reihe: Alltag in Island, Kunst&Kultur,Essen&Trinken usw.

Nach meinen Reitausflug muss ich zugeben, dass mich ganz schön der Muskelkater quaelt. Deswegen war ich am Sonntag auch etwas schwer in Bewegung zu setzen, hatte mich dann aber doch aufgerafft und wollte mir etwas Kultur gönnen. Deswegen bin ich ins Nationalmuseum von Island gefahren, denn laut Reisefuehrer war der Eintritt frei. Das islaendische Bussystem ist leider etwas verwirrend. Es sind naemlich auf dem Busfahrplan, den es auf jeder Reykjavik-Karte hintendrauf gedruckt gibt,wenig Haltestellen angegeben, und die unterschiedlich farbigen Linien ueberschneiden sich manchmal so, dass einfach die Farbe schwarz als Symbol „hier fahren Busse lang“ genommen wird. Das ist natuerlich weniger hilfreich. Ausserdem ist auf dem Busfahrplan kein Strassennetz dazugemalt. Mangels Haltestellen und mangels Strassennamen kann man also nur anhand der Himmelsrichtung ungefaehr schaetzen, welchen Bus man nehmen könnte.

Hlemmur


Auf diese Weise hat es etwas laenger gedauert, bis ich die Linie 3 als die  Guenstigste identifizieren konnte. Zum Glueck liegt mein Hotel quasi um die Ecke von Hlemmur (sprich: H-chle-mm-ue-rch), sozusagen der Zentralhaltestelle von Reykjavik, und der Fussweg, der auf Grund des beginnenden Muskelkaters langsam schwierig wurde, war nur kurz. Im Nationalmuseum wurde mir klar, dass mein Reisefuehrer mich wiedermal belogen hatte: ich musste 500 kr bezahlen (also etwa 3,30&euro um rein zu duerfen. Und Gott sei Dank konnte ich die Frau am Einlass auch davon ueberzeugen, dass ich Studentin einer auslaendischen Uni war, und musste keine 750 kr bezahlen.  Wahrscheinlich klang „Technical University of Mining Freiberg“ einfach so beeindruckend, dass sie nicht glaubte, dass ich mir das ausgedacht hatte (meinen Ausweis hatte ich natuerlich vergessen).

Ich hatte mir allerdings das Museum etwas spannender vorgestellt: ueberall grosse Tafeln auf denen man lesen musste, alte Schwerter und Ringe, Kochtöpfe und solche Sachen. Manchmal hat auch eine nette Stimme aus dem Computer was erzaehlt. Im Groben wurde also die Geschichte Islands von der Besiedelung ungefaehr im 8.Jahrhundert n.Chr. ueber die Zeit der Christianisierung, der Aufklaerung und der Moderne erzaehlt. Naja ...  ich habe es zumindest mal gesehen, und bis zur Aufklaerung habe ich es sogar geschafft, mir fast alle Tafeln durchzulesen. Interessant war nur, um wiedermal auf das Vulkanproblem zurueckzukommen, das Jahr 1783, als der Vulkan Krafla explodierte und riesige Risse die Landschaft teilten, aus denen Lava quoll. Die Eruption war so heftig, dass eine Flaeche so gross wie Reykjavik und Umgebung von der Lava begraben wurden. Im Folgejahr waren die Ernten auf der ganzen Nordhalbkugel so schlecht, dass von einem Hungerjahr gesprochen wurde. Und in Island selbst sah es ganz bitter aus. Sowohl das Vieh als auch alle Pflanzen gingen ein, und ein Drittel der Bevölkerung starb den Hungertod. Die Menschen mussten damals sogar ihre eigene Haut oder Schuhleder essen, um zu ueberleben. Wahrscheinlich vergifteten sie sich aber eher dran.


Ausserdem war noch ein Raum interessant, in dem man Kettenhemd, Haube, Schwert und Schild anprobieren konnte. Ganz schön schwer der ganze Kram. Damit haette ich nicht stundenlang durch die Gegend rennen wollen. Und man konnte ausprobieren, wie es ist, im Damensattel zu reiten. Auch eine unbequeme Angelegenheit.

Ich als Ritter

Und weil so schönes Wetter war, bin ich nach meinem Mueseumsbesuch in islaendischer Manier an der Strandpromenade entlang gejoggt ... spaeter dann gekeucht.


Gestern ging dann wieder der Arbeitsalltag los. Aber auch: endlich wieder Vollverpflegung. Diese Woche ist allerdings islaendische „Diaet“-Woche in der Kantine. Es gibt nur so Leckereien wie Eintopf,Stockfisch, Leber und Blutwurst und geraeuchertes Lamm. Baehhh. Mir ist klar, warum die das Diaetwoche nennen. Bei diesen Gerichten isst ja jeder nur Salat. Oder die Auslaender zumindest. Wahrscheinlich wollen die Islaender die Suenden der letzten Wochen wieder loswerden. Da gab es naemlich beinahe jeden Tag Kuchen. Und was das fuer Kuchen ist. Der ist SOOO suess, das ist echt widerlich. Dafuer habe ich jetzt auch den Grund erfahren: bis vor ein paar Jahrzehnten war Zucker ein sehr knappes Gut in Island, und allgemein waren suesse Speisen selten. Gibt hier ja auch keinen Honig oder so. Leute, die Zucker hatten, waren reich und angesehen. Und um das noch zu unterstreichen galt es als höchst schicklich und dekadent, wenn man seinen Gaesten Speisen reichte, aus denen der Zucker nur so rausquoll. Seht mal her wie reich ich bin, ich kann mir leisten, euch mit meinem Zucker die Zaehne aus dem Kiefer zu ziehen. Und die Gaeste dachten dann: was fuer ein toller Hecht, mit seinem vielen Zucker. Der hats wirklich geschafft. Aus irgendeinem Grund hat sich dieses Gehabe  bis heute gehalten. Boggi, der Kuechenchef, hat unlaengst das Rezept fuer seinen islaendischen 500%-Schokoladenkuchen veröffentlicht.


Fuer alle Interessierten: man nehme 250 g Zucker, 250 g Butter,400 g im Wasserbad geschmolzene Schoki, 4 ganze Eier und 3,5 EL Mehl und vermische alles zu einer braunen klebrigen Paste. Diese dann bei 150 °C im Ofen fuer 40 min backen. Die Schokibombe kann gerne noch mit Schokostreuseln, Gummibaerchen, Smarties, Lakritze oder anderen suessen Versuchungen dekoriert werden. Und ganz wichtig, vorm Verspeisen ordentlich rote Erdbeer-Zucker-Sosse auf dem Kuchen verteilen und die grosse Portion Schlagsahne nicht vergessen!

 

Schoki-Bombe


Man möchte meinen, die Islaender essen so viel Suesskram, weil sie ihren Endorphinspiegel anheben muessen, der waehrend der Wintermonate auf absolutem Tiefstand dahinduempelt. Ich habe mal nachgefragt, wie das so ist, mehr als 4 Monate mehr oder weniger in Dunkelheit leben zu muessen. Zunaechst waere man die ganze Zeit muede, man isst mehr, hat zu nichts Lust und wird depressiv letztendlich. Hmm, verlockend! Die Islaender allerdings wissen sich mit lustigen bunte Pillen dagegen zu helfen. Die Anzahl derer, die Psychopharmaka oder Antidepressiva abhaengig sind ist erschreckend hoch. Allerdings sind die Islaender weniger anfaellig gegen Depressionen als andere Menschen. Grund: natuerliche Selektion. Alle die, die das Leben ohne Sonne nicht ertragen konnten, hatten sich umgebracht, bevor sie ihre Gene weitergeben konnten. Und so ueberlebten nur die depressionsresistenten Gene. Interessante Theorie.


Heute habe ich auf icenews.is gelesen, dass Island sich endlich dafuer entschlossen hat, zu fragen, ob sie in der coolen EU-Gang mitmachen darf. Wenn Griechenland rausgekickt wird, ist ja wieder der Platz des finanziellen Sorgenkindes zu besetzen . Nein, aber der Hauptgrund, warum Island so lange nicht in die EU wollte, war die starke Fischindustrie, die ihre Fischgruende nicht an norwegische Fischstaebchenschlepper abtreten wollten. Obwohl die Fischindustrie eine starke Lobby ist, haben sich die meiste Islaender dagegen gewendet und wollen die Fischer entmachten. Denn die „Fischpolitik“ ist im Prinzip wirklich daemlich. Weil vor ungefaehr tausend Jahren Island saemtliche Fischgruende leergefischt hatte, wurde in diesen Zeiten an die damaligen Fischer Fangquoten verteilt, basierend auf dem Fang, den sie im letzten Jahr gemacht hatten. Diese Quoten wurden seither NIE wieder neu berechnet. Jeder Fischer durfte also nicht mehr Fang machen als sein Nachbar, wenn dessen Quote höher war. Und das Daemlichste war, dass diese Quoten vererbt wurden, bis heute. Allerdings wurde nicht beachtet, dass die Fischer untereinander die Quoten verkaufen oder verleihen konnte. So gibt es heute Familien, die den ganzen Tag ueber nichts machen aber trotzdem viel Geld bekommen, weil der Uropa mal ein Fischerboot hatte. Die Familie aber hat die geerbte Quote verliehen und sahnt dafuer ordentlich Geld ab. Das ist natuerlich vielen Islaendern ein Dorn im Auge. Ausserdem sind alte Fischerdörfer ausgestorben, bzw. Es wird dort nicht mehr gefischt, weil die Quoten nicht mehr an dem Ort sind und irgendwo anders hin verkauft wurden. In Isafjördur in den Westfjorden gibt es einen unglaublich hohen Fischbestand, aber niemand geht dort fischen, weil es keine Quoten dafuer gibt.
Nicht clever, diese Islaender! Kommt in die EU und wir bringen euren Unsinn wieder in Ordnung


Am Samstag werde ich hoffentlich neue Informationen besorgen können, denn ich werde voraussictlich mit der Haskólí Ísland, der islaendischen Universitaet, zum Rettír (sprich: Retti-rch-sch), dem alljaehrlichen Schafezusammentreiben gehen. Es bleibt also hoffentlich weiterhin spannend.
In diesem Sinne
Liebste Gruesse
Eure Susi

PS: vielen lieben Dank für eure Gästebucheinträge - es freut mich immer sehr

13.9.11 19:31


Reitausflug - ein schöner Tag

Endlich Wochenende! Endlich mal wieder was anderes sehen als PDF oder Exceldateien. Zur Feier des Freitages hatte ich mich mit Caro, der deutschen Austauschstudentin aus Jena, verabredet.
An diesem Abend sollte in downtown ein Literaturfestival sein, und da wollten wir mal vorbeischauen. Zuerst besuchte ich sie in ihrem Guesthouse. Dort leben nur Austauschstudenten aus allen Ländern
in einem Haus zusammen, haben ihr eigenes (mehr oder weniger gut ausgestattetes) Zimmer und teilen sich Küche und 2 Bäder. Nur so als kleine Nebeninfo, im Monat bezahlt man dafür um die 370€.
Dort lernte ich noch ein paar andere Studenten aus Finnland,Polen und Frankreich kennen, wir haben zusammen was gegessen und dann ging es auch schon los ins Theater, wo das Festival stattfinden sollte.


Auf dem Weg sammelten wir 2 weitere Deutsche ein. Natürlich kamen wir zu spät, und mussten deswegen in der Vorhalle rumstehen, weil alle Sitze bereits belegt waren.
Das war nicht nur unbequem, es war auch recht dumm, da man durch die großen Menschen die vor einem standen nicht auf den Bildschirm schauen konnte, auf dem die isländischen Abschnitte, aus denen gelesen wurde, ins Englische übersetzt wurden. So war es eigentlich nur rumstehen und zuhören, aber nichts verstehen. Zum Glück kam dann aber noch eine deutsche Autorin, Herta Müller, die auf Deutsch gelesen hat - und das war noch nicht mal mehr ein Buch voller Stuss. In dieser Hinsicht hat sich das Festival also gelohnt. Als wir dann aus dem Theater kamen und Richtung downtown liefen, schauten wir wie zufällig mal in den Himmel:
und siehe da, da waren sie. NORDLICHTER! Überall am Himmel tanzten sie in grünlichem Schimmer für ein paar Momente, um dann wieder zu verschwinden und an irgendeiner anderen Stelle des Himmels neu aufzutauchen.

 

Nordlichter über Reykjavik


Das war ein richtiges Spektakel, und vor allem war es wunderschön. Ich bin dann auf dem Rückweg zu meinem Hotel am Strand entlanggelaufen (nebenbei bemerkt, es war arschkalt!), und dort hat man sie noch viel intensiver gesehen. Das war richtig toll.


Am nächsten Tag hatte ich dann einen Ausflug mit Familienanschluss. Ulla, meine Arbeitskollegin, die zufällig auch gern reitet, wollte mit mir auf eine Pferdefarm gehen, die nicht touristisch ist (weil man sich da dumm und dämlich bezahlt und nichts davon hat), und hat das ganze noch mit einer kleinen Tour durch Südisland verbunden. Natürlich kam sie mit Kindern, Mann und Jeep. Zuerst machten wir halt bei Urriðafoss, dem wasserreichsten Wasserfall Islands, der auch noch direkt an der Ringstraße liegt (sozusagen der "Autobahn" von Island). 360 m³ stürzen dort pro Sekunde in die Tiefe. Und obwohl der Wasserfall damit der größte Islands ist, findet kaum je ein Tourist den Weg dahin, obwohl er recht zentral liegt (nämlich etwa 16 km südlich von Selfoss), damit ist dieser Wasserfall ein echter Geheimtipp!

Urriðafoss

Und das wahrscheinlich auch nicht mehr für lang, denn es ist geplant, ein Wasserkraftwerk an dem Wasserfall zu bauen und den Fluss anzustauen. Das wäre natürlich das Ende für Urriðafoss. Nach einer kleinen Wanderung am Flussufer fanden wir ein Plätzchen, wo es nicht windig war (aber trotzdem kalt) und konnten dort Picknicken. Dabei bekam ich wieder mal etwas typisch Isländisches zu Essen: Fladenbrot (das ich mir übrigens in Erwartung eines süßen Eierkuchens vor ein paar Tagen im Supermarkt gekauft hatte, es dann aber entsetzt wieder ausspucken musste), das traditionell mit Lammschinken gegessen wird. Auf diese Weise war es sogar
recht lecker. Ulla und ihr Freund Thomas leben übrigens seit 10 Jahren schon in Island mit den Kindern Yara und Leonhardt, und haben hier schon alles gesehen. Das hindert sie aber nicht daran, sich immer wieder gerne an Deutschland zurückzuerinnern.

Als das Thema dann auf den mit Sicherheit bevorstehenden Ausbruch des Vulkans Katla überging, fragte ich mal, was dass den für Folgen für Island hätte. Katla ist einer der größten Vulkane hier
und man könnte seinen Ausbruch nicht mit dem des Eyjafjallajökull gleichsetzen - es könnte richtig dramatisch werden. Zum einen müssten wegen der riesigen Aschemenge in der Luft alle Isländer Staubmasken tragen, die Autos könnten aufgrund der abrassiven Aschepartikel nicht mehr weit fahren, ohne kaputt zu gehen, Landwirtschaft und Viehhaltung würden zusammenbrechen, da es kein Futter mehr gibt, die Insel könnte nicht mehr per Flugzeug erreicht werden, Straßen nahe am Katla würden durch die abgehende Flutwelle (das Eis im Gletscher schmilzt und taut sofort ab) zerstört werden, weswegen es mehr oder weniger unmöglich wird, in den Osten von Island zu gelangen. Von der regionalen
Wetteränderung einmal abgesehen. Und das Erschreckendste war, dass Katla bald ausbrechen wird - er ist nämlich schon 10 Jahre überfällig, und die Vulkanologen zeichnen immer wieder Erbeben in seiner Nähe auf.


Ich glaube, falls dieses Ding noch während meiner Anwesenheit Feuer spucken sollte, packe ich meine Siebensachen und buche eine Fährüberfahrt nach Dänemark - das will ich nicht erleben. Zumal auch von einer "Evakuation" die Rede ist.
Nun aber zu einem anderen Thema: das Ziel dieses Ausfluges war ein Reiterhof. Dort angekommen war ich natürlich mal wieder nicht davon abzuhalten, die Islandpferde zu streicheln.

Gamlí

Im Stall habe ich sogar meinen Liebling entdeckt - der konnte nur leider noch nicht geritten werden, weil er erst 4 Jahre alt war. Habe schon mit dem Gedanken gespielt, ein pferdiges Mitbringsel nach Deutschland zu verschiffen. Dann ist mir leider klar geworden, dass ich immer noch nicht im Lotto gewonnen habe. Mist. Naja, der Pferdemensch holte mir mein Pferd von der Weide, Mílena,eine hübsche Fuchsstute.

Mílena

 

Zu meinem Entsetzen erzählte mir Ulla dann, wie es in Island mit den Pferden gehandhabt wird:
zunächst gilt ein strenges Einreiseverbot für fremde Pferde. Selbst wenn ein Islandpferd nur einmal kurz im Ausland war, darf es nie wieder zurück auf die Insel aus Angst, die Rasse zu verunreinigen. Zucht ist hier nämlich alles.
Pferde werden anders gehalten als in Deutschland, nicht aus Spass und Freude, sondern nur um möglichst gute Nachkommen zu züchten (natürlich will ich nicht behaupten, dass den Isländern sonst nichts an den Pferden liegt), aber:
alle Fohlen, die nicht den hohen Erwartungen entsprechen, werden sofort euthanasiert. Bzw., eigentlich mit Bolzenschuss niedergestreckt und dann verspeist. Ehrlich, das finde ich ziemlich barbarisch.
Dann aber ging der Ausritt los (es war lustig, den großen Thomas zu sehen, der auf das kleinste Pferd gesetzt wurde), und es war richtig klasse, die 5. Gangart der Islandpferde, den Tölt, auszuprobieren. Es ist, als ob man auf einem Sofa sitzen würde. Dann wurde es mir aber doch zu langsam und ich bin mit Mílena mal ein bisschen galoppiert - das ist, aus irgendeinem Grund, ziemlich unpopulär bei den Isländern. Die reiten lieber langsam im Tölt.
Aber mir hats gefallen ... ohne Galopp zu reiten ist für mich auch kein richtiges reiten.


Auf dem Rückweg haben wir noch einen Halt bei Hellisheiði, dem Geothermalkraftwerk, an dem ich gerade arbeite, gemacht. Es war wirklich beeindruckend, live zu erleben, welche Kräfte in der Erde wirken. Der Dampf, der aus den Bohrlöchern kam, machte einen Krach als würde man bei einem Konzert zu nah an den Boxen stehen. Natürlich habe ich für meine Bachelorarbeit viele Fotos geschossen.

Es dampft, und es macht Krach!

Alles in allem war das also ein sehr gelungener Tag.

11.9.11 14:14


Krasser Wind und krasse Wellen.

Heute ist der erste Tag, an dem es kalt ist, und wie verrückt stürmt. Gerade bei meinem Hotel, dass ja direkt am Meer liegt, ist es so windig, dass man Mühe hat, gegen den Sturm zu laufen. Wenn das hier das alltaegliche Winterwetter ist, dann Gute Nacht!


Aber kommen wir wieder zu der allseits beliebten Reihe: Informationen rund um Island, Leben&Arbeiten,Kunst&Kultur,Geschichte&Natur. Heute will ich ein paar Informationen zum Besten geben, die ich waehrend der vergangen Tage natuerlich fleissig gesammelt habe. Und weil wir wieder „Bergfest“ haben, schreibe ich diesen Bericht auch (man moege es mir verzeihen), in meiner Arbeitszeit. Man erkennt es vielleicht schon an den vielen Umlauten, die ich benutzen muss, da mir leider keine deutsche Tastatur zur Verfuegung gestellt wurde. Und ich war wirklich erstaunt, dass namenhafte PC-Hersteller und Ausruester tatsaechlich Tastaturen herstellen fuer ein Land, in dem sie wahrscheinlich nicht mehr als 300.000 Stueck davon absetzen koennen – gibt ja nicht mehr Leute, die so eine Tastatur brauchen wuerden. Dafuer gibt es hier drauf lustige Buchstaben – þ,Þ,ð,Ð,æ,Æ. Ich weiss schon, dass þ wie ein „th“, zum Beispiel in „thing“ oder „this“ ausgesprochen wird, wo aber die Besonderheit in dem verkrueppelten D liegt, werde ich noch herausfinden.


Das Islaendisch gehoert uebrigens zu einer der aeltesten und unverfaelschsten Sprachen der Welt! Denn frueher, ganz ganz frueher, sprach man in den Skandinavischen Laendern einfach nur Nordisch. War wie Latein, konnte damals jeder, zumindest in Skandinavien. Als sich die Norweger dann aufmachten um nach Island auszuwandern, warum auch immer, (das war uebrigens im 3.Jahrhundert n.Chr.! Wer war´s gewesen? Natuerlich die Wikinger!), nahmen sie ihre Sprache mit. Durch die Isolation auf der Insel, weil wohl niemand so recht etwas mit den Nordmaennern zu tun haben wollte, blieb die Sprache zum Grösstenteil so rein, dass die Islaender auch heute noch Schriften aus dieser Zeit ohne jegliche Probleme lesen können (uebrigens ist das „ö“ der einzige Umlaut auf der Tastatur). Und Sprachforscher freuen sich natuerlich enorm, hier exklusiv erleben zu können, wie man frueher im Norden so gesprochen hat.


Obwohl Islaendisch wirklich richtiges Kauderwelsch ist, sind hier 99,9% der Bevölkerung des Lesens und Schreibens maechtig. Damit hat Island mit eine der niedrigsten Analphabetenraten der Welt! Das liegt sicher auch daran, dass hier der Schul- und Universitaetsbesuch fuer alle kostenlos und fuer alle gleich ist, es gibt also keine elitaeren Schulen oder so (wieder etwas, woran sich Karl Marx zweifelsohne gefreut haette!). Die Kinder vom Land besuchen die Schulen als Internate, sind also ueber der Woche in der Schule und fahren nur am Wochenende nach Hause. Und ich habe diese Schulen gesehen! Die liegen mitten im Nirgendwo, da gibt es noch nicht mal ein Dorf dazu! Nur die Schule, und vielleicht vielleicht eine Kirche. Kein Wunder, dass manche Islaender etwas wunderlich werden – bei so einer Isolation. Fördert aber vielleicht die Lernstimmung. Waere eventuell auch eine Massnahme fuer deutsche, schwer erziehbare Jugendliche oder so. Schicken wir also die vielen deutschen Problemkinder auf islaendische Schulen! Ausserdem gibt es hier 13 Unis! 13 Unis fuer 300.000 Einwohner! Das ist wirklich verdammt viel. Vielleicht denken die Islaender voraus, denn im Gegensatz zu anderen europaeischen Staaten waechst die Bevölkerung hier. Fuer 2045 werden sogar 435.000 Einwohner erwartet! Im Prinzip können sich die Islaender so eine Bevölkerungsexplosion auch leisten (im Gegensatz zu afrikanischen Laendern oder so, die ihre Menschen gar nicht versorgen können), denn hier gibt es Platz zum einen (2/3 der Landflaeche gilt als unbewohnbar, da man weder auf einem Gletscher, noch auf Vulkanen oder in Wuesten leben möchte) und unglaublich viel Energie.

Island produziert jetzt schon 5 mal mehr Energie, als es eigentlich zum „leben“ benötigen wuerde. Das Geothermalkraftwerk Hellisheiði (an dem ich zufaellig gerade arbeite) produziert 220 MW Strom! Und das noch nichtmal unter Volllast. Es kann 300 MW Strom und 400 MW Thermische Energie erzeugen, und damit den Bedarf von Island allein stillen. Durch die tektonische Aktivitaet und daraus schlussfolgernd der vulkanischen Aktivitaet ist die Erde in geringen Tiefen bereits so heiss, dass eindringendes Grundwasser sofort zu Dampf in ueberkritischem Zustand wechselt. Wird dieser Dampf gefördert durch eine Geothermiebohrung und in ein Geothermiekraftwerk geleitet, wo der Dampf wiederum Turbinen antreibt und Waerme liefert, kann richtig viel Energie produziert werden – sauber, langanhaltend, und ohne viel Wartungsarbeiten (so ein Kraftwerk braucht höchstens 2 Mann, um betrieben zu werden). Davon können wir in Deutschland wirklich nur traeumen. Jedenfalls, was macht Island mit der ueberschuessigen Energie? Verkaufen geht schlecht, weil sich das mit dem Transport unguenstig macht. Man kann ja nicht einen Container Energie nach Frankreich verschiffen oder so. Also holt sich Island die Industrien ins Land, die viel Energie benötigen. Aluminiumschmelzen oder die Computerindustrie beispielsweise.  Ausserdem beheizen sie auch ihre Gewaechshaeuser mit geothermischer Energie, und sind so in der Lage, Obst und Gemuese in rauhen Mengen anzupflanzen. Und sogar viele viele Blumen!  Clever, diese Islaender! Bei der Umgebung wuerde ja nicht mal eine muede Möhre wachsen, aber so können sie sogar Kirschen und Bananen anbauen. Da aber das ganze nicht staatlich unterstuetzt wird, bzw. Fleisch und Getreide, Obst und Gemuese nur privat erzeugt werden, bezahlt man auch entsprechende Preise dafuer. Das wiederum finde ich ziemlich unlogisch.


Und sie haben sich ja auch Gedanken gemacht, wie man umweltfreundlich Auto fahren kann, denn die meisten Autos sind hier immer noch Verbrenner. Elektroautos waeren wohl die naheliegendste Lösung – aber: der Islaender denkt weiter! Da bei Elektroautos ja immernoch die umweltschaedlichen Batterien anfallen, und sie sowieso viel zu viel Energie haben, können sie auch Wasserstoff herstellen und mit dem ihre Autos betreiben! Wirklich clever, diese Islaender.


Nach beinah 3 Wochen hier kann ich mir auch eine erste Einschaetzung von den Islaendern an sich erlauben, ganz objektiv betrachtet. Sie sind neugierig am Anfang, und höflich. Aber nachdem der erste Kontakt hergestellt ist, ziehen sie sich wieder zurueck. Sie sind verschlossene Menschen, aber durchaus hilfsbereit. Sie gehen nicht auf andere zu, sind vielleicht schuechtern. Sie bleiben unter sich, da sie alle Islaender als ihre erweiterte Familie ansehen, und reden untereinander meist nur Islaendisch, auch wenn Auslaender anwesend sind (wie ich bspw.). So entsteht der Eindruck von netten Menschen, von guten Menschen, aber von kuehlen, nordischen „Eismaennern“ (und Frauen!).

7.9.11 20:19


Die Insel aus Feuer unter Eis.



Gestern habe ich mir einen Ausflug gegönnt, um mal aus Reykjavik herauszukommen. Man hört immer nur, Island sei ja ach so toll, aber wenn man es nie mit eigenen Augen sieht, kann man auch nicht mitreden. Deswegen habe ich kurz entschlossen die Tour zum Goldenen Kreis, einem der Highlights Islands überhaupt, gebucht. Trotz meiner Erkältung, die einfach nicht weggehen will. Gestern um 8:30 sollte es losgehen. 8:30 kam und ging, aber da der Bus viele Hotels anzufahren hatte, war ich noch guter Dinge. Als dann 9:00 Uhr kam und ging, wurde ich einerseits wütend, zum anderen sehr zappelig. In der Hotelrezeption kümmerte man sich, so wie ich es schon vom Fosshotel kenne, gleich um mein Problem und setzte sich mit Time Tours in Verbindung. Dabei kam heraus, dass der Tourguide 3 Hotels vergessen hatte, und schon auf dem Weg war. Allerdings werde ein Bus nachgeschickt, um die zurückgelassenen Gäste, unter anderem ja auch mich, aufzulesen.  
Als dann 9:30 ein klappriger Toyota-Bus auf den Hotelparkplatz gedüst kam, war ich sehr erleichtert. Das Wetter war gut, und das wollte ich schließlich auch nutzen. Der Guide entschuldigte sich tausendmal und ich nahm neben Rob, einem australischen Kinderpsychologen aus Sydney, Platz, der hier wegen einer Ärztekonferenz war. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. Wir sammelten noch ein amerkianisches Pärchen aus New York auf, die trotz Schmuddelklamotten
im Grand Hotel untergekommen waren, und tatsächlich alle Klischees des Durchschnitts-Amerikaners erfüllten. Rob's Englisch war sehr verständlich, aber dass der beiden "Buddies" war einfach purer Slang. Der Ersatzguide, Ronnie, düste also in einem Affentempo zum Thingvellir-See, der im Thingvellir Nationalpark lag, dem ersten Etappenziel der Tour. Dort sollten wir dann den eigentlichen Tourbus treffen und von diesem herzlich aufgenommen werden. Der Thingvellir Nationalpark zeichnet
sich nicht nur dadurch aus, dass hier der Sitz des Althing war, einer Art Parlamentsversammlung der Goden (freie Bauern, die gleichzeitig Oberhäupter der Godentümer waren - Bauern als Oberhäupter! Da hätte sich Karl Marx gefreut!), die erstmals im Jahr 930 an genau diesem Ort stattfand. Da dort die Felsen so scharfkantige Vorsprünge bilden, konnte man da mit prima Akustik Reden schwingen, die jeder verstand, und gleichzeitig erhöht stehen, so dass man auch von jedem gesehen wurde. Aber Thingvellir zeichnet sich eigentlich dadurch aus, dass es die Nahtstelle zwischen der europäischen und nordamerikanischen Platte ist. Man befindet sich "quasi" mit einem Bein in Nordamerika und mit einem in Europa. Zwischen den Platten ist eine Art Niemandsland, da dort der Riss ist, in dem Magma nachquillt um die Fuge zu schließen. Jährlich driften die Platten, in Thingvellir gut messbar, mehrere Zentimeter auseinander! Das ist, für geologische Verhältnisse, ein Affentempo. Wie stark die Tektonik
hier wirklich ist, wurde außerdem 1789 deutlich: binnen zehn Tagen sackte dort der Boden nach einem Erdbeben um 67 cm ab!

Zwischen den Welten

 Nachdem meine Gruppe, die neben mir noch aus einer Horde Japaner, vier Amerikanern, einem Australier und vier nicht zuordbaren Spezies bestand,genügend Bildmaterial gemacht hatte (hier der erste Vorteil meiner Sitznachbarschaft mit Rob: er hat immer Bilder von mir gemacht), ging es einmal um den Thingvellir See herum, in dem man übrigens sehr gut schnorcheln kann, weil er so klar ist.
Dabei soll man nochmal einen guten Eindruck der vielen vielen Mikrorisse bekommen, in die der Boden hier zerbrochen ist wegen der starken Bewegung. Dann brauste der neue Guide Richtung Gulfoss, dem Goldenen Wasserfall, der von dem Gletscher Langjökull gespeist wird. Auf der Fahrt sahen wir viele viele Pferde und Schafe, die wild leben und ich bestätigte das, was ich mir schon in den letzten beiden Wochen gedacht hatte, nachdem ich mehrmals beinah von einem Auto bei grün auf der Fussgängerampel überfahren wurde:

Die Isländer fahren grauenhaft! Ohne Rücksicht auf den Kleinbus zischte der Guide über Schlaglöcher, Bremshügel und komische Gitter in der Straße, dass es nur so krachte und wir alle auf und ab hopsten auf unseren Sitzen. Irgendwie sind wir dann aber doch bei Gulfoss angekommen. Dieser Wasserfall ist wirklich die Reise wert. Insgesamt 32 m stürtzt das Wasser in die Tiefe und hinterlässt dabei einen feinen Nebelschleier, der in der Luft hängt und der ganzen Szenerie irgendwie einen mystischen Touch verleiht.

Gulfoss

Im Touristenzentrum konnten wir dann zu Mittagessen, und hier war der zweite, große Vorteil von Rob: er spendierte mir eine Cola und eine landestypische Lammsuppe. Er meinte, er sei auch mal Student gewesen und hat sich gefreut, wenn er etwas zu Essen bekommen hat. Im Gegenzug sollte ich, wenn ich dann doch irgendwann mal arbeiten sollte, auch mal einem armen Studenten ein Essen spendieren. Was ich vielleicht sogar machen werde. Als kleinen Gefallen habe ich Rob noch geholfen, ein Souvenir für seine Kinder auszusuchen.
Nachdem die Amerikaner, natürlich wie immer, um eine halbe Stunde nach der verabredeten Zeit am Bus eingetroffen sind, konnte es weitergehen zu den Hot Springs, den heißen Quellen, bei denen auch die Geysire beheimatet sind. Das Wort "Geysir" bezeichnet eigentlich nur einen der Geysire, den größten, er aber gerade seinen langen langen Winterschlaf hält. Er wurde so von dem Landbesitzer vor vielen hundert Jahren benannt, welcher der eruptierenden Heißwasserquelle aus Gründen, die man nicht ganz nachvollziehen kann, den Namen seines
Lieblingspferdes gab: Geysir.

Der Name allerdings hat sich verallgemeinert und bezeichnet jetzt das Phänomen als Geysir. In den Hot Springs kann man den Geysir "Strokkur" bewundern, der alle 3-7 min eruptiert. Allerdings ist es gar nicht so einfach, ihn auf Bild zu bekommen, da die Heißwasserfontäne nur für ca. 1 Sekunde nach oben schießt, und danach nur Nebel in der Luft hängt.

Strokkur

Trotzdem ist es mir, nach vielen Versuchen, von weiter weg gelungen. In dem Gelände konnte man noch etwas herumwandern (dank meiner Wanderausrüstung konnte ich das auch professionell tun) und die bergige Landschaft begutachten. Ein bisschen wie in den Alpen sah es schon aus. Aber die Alpen wirken zivilisierter.


Als letzten Punkt unserer Tour steuerten wir den Vulkankrater Kerið an, der als "Implosionskrater" durch eine einbrechende Magmakammer entstand, welche der Auflast des durch sie selbst an die Oberfläche geworfenen Asche/Geröllberges nicht mehr Stand halten konnte. Dieser Krater hat sich mit Grundwasser gefüllt, und dient als Grundwasserstandsbarometer. Und an manchen Tagen auch als Konzertsaal, weil da wiederum so eine tolle Akustik sein soll.

 Vulkankrater Kerið


Björk war die Erste, die auf einer im Vulkansee schwimmenden Bühne im Krater performt hat.
Auf dem Rückweg fuhren wir an großen erkalteten Lavaströmen vorbei, die von einer dicken Schicht "Isländisch-Moos" bedeckt sind. Wer Halsschmerzen hatte, wird vielleicht die eigenartig schmeckenden, gleichnamigen Lutschtabletten kennen, die aus eben diesem Moos hergestellt werden.
Dieses Moos kann eine Dicke von bis zu 1 m erreichen!

An einem Rastplatz entdeckte ich eine Gruppe grasender Islandpferde mit ihren Reitern, und eine Reiterin war ein deutsches Mädchen, was für ein Jahr auf einer Pferdefarm arbeiten will - das ist irgendwie cooler als blöde Fachvokabeln aus dem Isländischen zu übersetzen, wie ich es derzeit machen muss. Die süßen Pferdchen waren auch, trotz der tollen Dinge, die ich gesehen hatte, irgendwie das Highlight des Tages für mich. Mein nächster Ausflug wird mich sicher zu ihnen führen.

Highlight des Tages

4.9.11 14:06


Was heisses Wasser und Eier hier gemeinsam haben ...




Heute möchte ich, weil unter der Woche ja weniger aufregende Dinge geschehen und der islaendische Alltag ziemlich schnell Realitaet geworden ist, mal auf ein paar Dinge eingehen, die mir hier so aufgefallen sind, und einige islaendische Eigenheiten beschreiben.


Das Wetter ist diese Woche wirklich widerlich, es ist zwar nicht allzu kalt, aber dafuer umso nasser. Und es ist nicht so, dass der Regen hier nur von oben kaeme, nein, man wird von vorne, hinten und den Seiten angesprueht. Wirklich eklig. Allerdings ist es nicht so, dass der Name Eisinsel (vor allem hier im Sueden) wirklich gerechtfertigt waere. In Reykjavik ist es waermer als in der Schweiz, und die Stadt hat vor allem mehr Sonnenstunden als Florida! Allerdings ist das Wetter hier sehr wechselhaft und man kann an einem Tag alles erleben, von Sonne ueber Regen bis Schnee. Seeklima eben. Auch die Winter sollen hier sehr mild sein, um die 0°C herum, wobei man natuerlich auch mal -10°C erleben kann, aber genauso gut +10°C. Im Sommer uebersteigen die Temperaturen dafuer jedoch ganz ganz selten die 20°C Marke. Es ist also gar nicht so eisig, wie alle denken!


Von meiner Seite gibt es eigentlich nur Positives zu berichten, ich bin endlich in einen guten Islaendisch-Kurs gekommen, der ab 16.September dreimal in der Woche stattfindet, habe ein gutes und preiswertes Fitnesscenter gleich um die Ecke meiner Arbeit gefunden (allerdings haben mich die Preise der Sportschuhe wiedermal ernuechtert), eine Deutsche hier auf Arbeit kennengelernt, die sehr nett ist und mich sogar mit zum Reiten nimmt, und heute werde ich mich ausserdem mit einer deutschen Austauschstudentin zum Abendessen treffen. Ihr seht, langsam lebe ich mich ein.
So, jetzt gehts hier aber wirklich mal los. Um auf den Titel meiner heutigen Ausfuehrungen mal zurueckzukommen – das Wasser stinkt bestialisch nach Schwefel, also Ei, wenn es heiss wird. Das heisst, dass man jeden Morgen bei der Dusche erstmal einen Uebelkeitsanfall abwenden muss. Die Islaender sind stolz auf ihr Wasser, denn es sei angeblich das reinste und gesuendeste Wasser der Welt, da es eben aus unterirdischen Quellen kommt und sofort gefahrlos getrunken werden kann. Das mag ja auch stimmen, aber der hohe Schwefelanteil im Wasser fuehrt eben zu diesem unleckeren Geruch – beim Duschen,Kochen, oder wo man sonst noch so heisses Wasser braucht. Ich weiss nicht, ob ich mich daran gewöhnen kann.


Gestern habe ich zum ersten Mal ein echt islaendisches Gericht verdrueckt. Plokarri, das ist im Wesentlichen eine Pampe aus Kartoffeln und Fisch. Dazu ist man suesses Brot, was nach Aussehen und Konsistenz eher an Pumpernickel erinnert, aber anders schmeckt. Zum Nachtisch gab es Skyr, eine Art Joghurt-Quark, der, wie die Islaender mir mit kaum verkennbarem Stolz erzaehlt haben, sogar in die USA exportiert wird. Skyr wird aus Kuhmilch hergestellt und mit Zucker und Sahne gegessen – es schmeckt auch wirklich gut! Plokarri war auch nicht so widerwaertig, wie ich mir vorgestellt habe, sondern sogar ganz lecker.
Beim Mittagessen heute (diesmal gab es mexikanische Burritos) hat mir ein wirklich sehr alter Mann erzaehlt, der aber erstaunlicherweise sogar in der Lage war, auf seinem Touchscreenhandy Emails zu lesen, dass man bis in die 70er Jahre in Island keine  Nudeln und keinen Reis kannte, und sich eigentlich nur von Fisch und Lamm ernaehrte!


Und habt ihr gewusst, dass es in Island keine richtigen Nachnamen, bzw. Familiennamen gibt? Hier existiert das Vaternamensprinzip, und laut Ragnar hat das den Grund, dass bei so wenig Einwohnern nur sehr wenig Familiennamen entstehen koennen (ja, Inzucht und so), und zwangslaeufig man auch jeden Familiennamen kennen wuerde. Bekommt ein Familienname jetzt einen schlechten Ruf weg, waeren viele Islaender sofort als diejenigen mit der doofen Familie identifizierbar. Klang irgendwie logisch. Deswegen also das Vaternamensprinzip. Das funktioniert so, dass das Kind immer den Vornamen des Vaters mit einem –son hinterndran, wenn es ein Junge ist (der Sohn), und einem –dóttir hintendran, wenn es eine Tochter ist. Da mein Vater Timo heisst, wuerde ich in der islaendischen Namensgebung also Susann Timosdóttir heissen. (und mal angenommen, ich waere ein Junge, dann Susann Timosson). Allerdings habe ich mir sagen lassen, dass es durchaus auch ueblich ist, den Namen der Mutter als Nachnamen mit son oder dóttir verpasst zu bekommen. Bringt wahrscheinlich mehr Vielfalt in die Nachnamenslandschaft.


 Mein mehr oder weniger letztes Thema zu den islaendischen Eigenheiten, zumindest fuer heute, soll die Bankenkrise 2008 sein. Damals ist Island nur knapp einem Staatsbankrott entronnen, und wenn man so hört, wie die Islaender davor gelebt haben, ist das auch absolut kein Wunder. Natuerlich gilt hier die Bezahlung mit Plastik via Kreditkarte als Standard, auch wenn man sich nur Eis oder eine Dose Cola am Automaten kauft. Damals seien wohl nur und ausschliesslich dicke Jeeps mit Ledersitzbezuegen durch die Gegend gefahren, und das auch auf den kuerzesten Strecken. Kredite, vor allem auch zum Hausbau oder Immobilienkauf, hat jede Torfnase bekommen. Sich mit dem Bus oder Fahrrad fortzubewegen wurde als „arm“ und „Loser“ angesehen, und was ich am Eigenartigsten fand, alle, die Outdoor – oder Regenkleidung trugen, auch. Der Grund war, dass sich die Outdoorklamottentraeger ja kein Jeepdach ueber dem Kopf leisten konnten, mit dem sie ueberall trocken hingelangen könnten. Die Islaender sagen von sich selbst, dass sie vor dieser Zeit wohl zu arrogant gewesen sein. Dann kam der grosse Crash, und man sieht heute noch viele unfertige Gebaeude in der Gegend stehen, die vor 2008 angefangen, aber nie zu Ende gebaut wurden. Aber das Bewusstsein der Islaender hat sich dadurch veraendert. Viele fahren jetzt mit dem Fahrrad zur Arbeit, und Outdoorkleidung wird nicht mehr belaechelt. Es gibt nicht mehr so viele Jeeps, und naja, dafuer aber viele Schrottkarren vorrangig japanischer Hersteller. Mit Schrottkarre meine ich aber wirklich rostige, alte, heruntergekommene Schrottkarre. Und ein Sinn fuers Sparen scheint sich langsam durchgesetzt zu haben – es werden zum Beispiel keine Schokokekse mehr als Nachtisch in der Kantine bei Mannvit gereicht .
Was mir gerade noch so spontan einfaellt und ich an den Islaendern wirklich putzig finde, ist ihre Art, JAU!!, oder JAAOW!  zu rufen, wenn man sie bestaetigt, ihnen recht gibt oder sie etwas gut finden.


So, morgen werde ich mal den Mannvit-Badmintonkurs testen, der mittags zur Arbeitermotivation stattfindet, und fuer das Wochenende habe ich einen Ausflug zum Goldenen Kreis geplant. Was das genau ist, könnt ihr hoffentlich im naechsten Blog dann nachlesen


Vollgefutterte Gruesse aus der Mittagspause (in der dieser Blog entstand) sendet euch
Eure Susi


31.8.11 18:53


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